nachrichten aus einem Buchverlag

Der Trick mit der schwerhörigen alten Dame

Vielleicht gibt es Autoren, die gerne Exposés Ihrer Werke schreiben, ich habe jedenfalls noch keinen getroffen. Trotzdem solltest du dich darin üben, denn jeder Verlag, der dein Manuskript prüft, benötigt neben deiner Vita und einer Leseprobe ein Exposé.

Verzichte auf die Formulierung „Wie in Trance“

Ich war ehrlich gesagt noch nie in einem Zustand, den ich leichthin als „Trance“ bezeichnen würde, außer bei einer Augenoperation in meiner Kindheit vielleicht, aber das war ja eigentlich eine Vollnarkose. Ich könnte auch nicht sagen, wer, den ich kenne, schon mal in Trance war. Kiffen zum Beispiel löst ja alles mögliche aus, aber nichts, das ich als Trance bezeichnen würde. Deshalb vermute ich, dass vergleichsweise wenige Menschen diesen Zustand schon erlebt haben. Ich würde aus dem Bauch heraus schätzen, dass es vielleicht 12 bis 18 Prozent der Erwachsenen sind.

Führe ein Tagebuch

Wer einmal erkannt hat, wie viel ein Tagebuch für das eigene Leben bringt, führt oft Jahre oder ein Leben lang eines. Was ein richtiges Tagebuch sein will, ist dabei von Hand geschrieben. Denn der Stift, die Tinte auf dem Papier und das beschriebene Blatt ergeben eine andere Wirkung als Getipptes am Bildschirm.

Worte, nach denen du deine Texte durchsuchen solltest

Schreibe ich einen Text, durchsuche ich ihn am Ende nach bestimmten Worten, die mich auf schlampige Grammatik oder ungeschickten Satzbau hinweisen. Zwei dieser Worte sind „wenn“ und „dann“. Ich sehe mir alle Sätze, in denen sie vorkommen, an und frage mich, ob sie da wirklich hingehören. Meistens ist das nicht der Fall.

Warum dir Pseudonyme das Leben als Autor schwer machen

Ich verstehe, dass Mary Anne Evans ihre Bücher als George Eliot publizierte. Als Mann hatte sie zu ihrer Zeit (1819 bis 1880) bessere Chancen. Wenn mir Autoren Manuskripte anbieten und in Ihrer E-Mail ein Pseudonym erwähnen, schreibe ich ihnen, dass wir grundsätzlich keine Bücher machen, deren Autoren ihre wahre Identität verheimlichen wollen. Ich werfe höchstens noch einen kurzen Blick in das Angebot, um festzustellen, ob es die Mühe wert wäre, ihm oder ihr das Pseudonym auszureden.

Verschone Verlage mit Halbfertigprodukten

Wenn mich ein unverlangt eingesandtes Manuskript nervt, ärgere ich mich manchmal über mich selbst. Als Verleger lebe ich nicht nur von Menschen, die gerne lesen, sondern auch von solchen, die gerne schreiben, und sollte Manuskripten deshalb positiv gegenüber stehen. Doch oft genug merke ich bei näherer Betrachtung des Manuskriptes, was mich daran nervt. Es ist bestenfalls ein Halbfertigprodukt. Hier gilt die Regel: Ein Manuskript, das sein Autor nicht mindestens zwanzig Mal überarbeitet hat, ist keines.

Deine Geschichte weiß, wie sie geschrieben werden will

Die meisten Autoren wissen, dass ein besonderes Buch auch eine besondere Sprache hat. Viele von ihnen begehen deshalb den Fehler, ihren Büchern eine bestimmte Sprache aufzuzwingen. Was im Normalfall schief geht. Denn deine Geschichte muss diese besondere Sprache von selbst mit sich bringen. Du musst nur sprachlich sensibel genug sein um zu erkennen, welche Sprache das ist.

Nichts ist so spannend wie die Wahrheit

„Wie können wir dafür PR machen?“, lautet eine der Fragen, die sich Verlage stellen, wenn sie dein Manuskript beurteilen. Sie wollen verstehen, warum gerade dein Buch medienrelevant ist. Wenn du einen Tatsachenroman schreibst, tust du dir besonders leicht, diese Frage zu beantworten.

Entdecke Geheimnisse der deutschen Sprache

Junge Autoren träumen meist davon, vom Schreiben leben zu können. Ich wünsche keinem von ihnen, dass der Traum in Erfüllung geht. In der von Einflüssen des Lebens befreiten Abgeschiedenheit eines Schreibzimmers bringen Menschen mit wenig Lebenserfahrung höchstens Texte hervor, die nach raschelndem Papier klingen. Arbeiten zu gehen und Geld zu verdienen ist nun einmal eine naheliegende und meist intensive Art, am Leben teilzunehmen. Mir fallen oft interessante Wechselwirkungen zwischen den sogenannten Brotberufen von Autoren und ihrem literarischen Werk auf.