nachrichten aus einem Buchverlag

Nichts ist so spannend wie die Wahrheit

„Wie können wir dafür PR machen?“, lautet eine der Fragen, die sich Verlage stellen, wenn sie dein Manuskript beurteilen. Sie wollen verstehen, warum gerade dein Buch medienrelevant ist. Wenn du einen Tatsachenroman schreibst, tust du dir besonders leicht, diese Frage zu beantworten.

Entdecke Geheimnisse der deutschen Sprache

Junge Autoren träumen meist davon, vom Schreiben leben zu können. Ich wünsche keinem von ihnen, dass der Traum in Erfüllung geht. In der von Einflüssen des Lebens befreiten Abgeschiedenheit eines Schreibzimmers bringen Menschen mit wenig Lebenserfahrung höchstens Texte hervor, die nach raschelndem Papier klingen. Arbeiten zu gehen und Geld zu verdienen ist nun einmal eine naheliegende und meist intensive Art, am Leben teilzunehmen. Mir fallen oft interessante Wechselwirkungen zwischen den sogenannten Brotberufen von Autoren und ihrem literarischen Werk auf.

Nutze den Reiz, den das Neue hat

In meiner Zeit als Journalist hatten Informationen, die mir meine Quellen zuspielten, manchmal einen Beigeschmack, als wären es keine wirklichen Neuigkeiten. Meist bestätigte eine kurze Überprüfung diese Einschätzung. Journalistischer Instinkt erkennt auch, ob etwas neu oder alt ist.

Publikation alleine ist kein Ziel

Fast alle unveröffentlichten Autoren, die mir begegnen, erwarten ein Glückserlebnis, wenn sie eines Tages ihr Buch auf einem Büchertisch sehen werden. Nach sechs Romanen, die ich selbst geschrieben habe, und meinen Erfahrungen als Verleger mit Autoren kann ich sagen, dass das nicht stimmt. Dieses Glückserlebnis stellt sich nur ein, wenn du dich als Autor eines publizierten Buches mit vielen Menschen verbunden weißt. Mit Menschen, die es gelesen haben, die es lieben, und die es anderen empfehlen.

Auch für Bücher gibt es Zielgruppen

Ein Autor bot mir einen Essay an, mit dem er sich an Büchermuffel wandte und sie von den Vorzügen des Lesens überzeugen wollte. Ich schrieb ihm zurück: Ich denke zwar nicht in Zielgruppen, ein Buch für Menschen zu machen, die keine Bücher lesen, erscheint mir dann aber doch etwas schwierig.

Widerstehe den Verlockungen des Abgebens

Vor vier Jahren kam ein Mann zu mir, der sein Leben lang geglaubt hatte, sein Leben würde bald vorüber sein. Deshalb hatte er sich stets mit allem überaus beeilt. Als Folge davon hatte er gleich zwei Karrieren hintereinander gemacht, zuerst in der Wirtschaft, dann in der Politik. Jetzt, mit 70, wollte er noch eine als Autor anhängen.

Die Weisheit eines Buchcovers

Eine der großen Aufgaben in der Anfangszeit unseres Verlages war die Gestaltung der Buchcover. In Buchhandlungen fragte ich mich damals immer, wieso die Cover anderer Bücher viel besser waren.

Entdecke deine Geschichte statt sie zu entwickeln

Dieser Tage fragte mich eine meiner Autorinnen, wie ich den Wunsch entwickelt habe, Bücher zu verlegen. Da wir gerade ein Buch über das menschliche Bewusstsein planen, mit der These, dass das Bewusstsein keinen Körper erfordert, es vielmehr umgekehrt ist, antwortete ich: „Es war nicht so, dass ich diesen Wunsch entwickelt habe. Eher hat dieser Wunsch mich entwickelt.“

Der Verlust der Worte

Vor einigen Monaten konnte ich einen erfahrenen und sprachgewaltigen Journalisten als Ghostwriter für unseren Verlag gewinnen. Einen, der nur so zum Spaß ganze Schüttelreim-Balladen schreibt. Sein enormer Schatz an Worten enthält auch welche, die gelesen schön sind, im täglichen Sprachgebrauch aber fehlen. „Dräuen“ zum Beispiel.