nachrichten aus einem Buchverlag

Halt die Augen offen und mach etwas daraus!

Vergangenen Freitag wartete ich am Wiener Hohen Markt vor einem Termin auf eine Kollegin und entdeckte dabei im Eingang eines geschlossenen Ladens ein hingeworfenes Leihrad. Ich dachte: Was wäre, wenn es in einer Stadt zwei Leihradfirmen gäbe, wenn die eine die andere mit unlauteren Mitteln bekämpfen würde, zum Beispiel indem sie nachts deren Räder demolieren lässt? Wenn ich das als Krimiplot nehmen würde, könnte ich die Leihrad-Branche recherchieren, dachte ich, was sicher interessant wäre. Als Motiv eines Mordes in diesem Milieu dürfte sich am Ende nicht der Konkurrenzkampf zwischen den beiden Firmen herausstellen, das wäre langweilig. Ich hätte Lust auf diesen Stoff gehabt, bloß weiß ich nach sechs Romanen, die ich bei Ullstein, Emons und Middelhauve publiziert habe, dass ich kein Autor sondern Verleger bin. Trotzdem gibt es Tage, an denen sich mir an jeder Ecke ein guter Stoff anzubieten scheint. Also, wenn du Autor werden willst, dann halt einfach die Augen offen und mach etwas daraus!

Werter Herr – ich mag Sie nicht!

Manchmal bekomme ich E-Mails, deren Autoren ich schon nach dem ersten Wort, das sie nach dem Betreff geschrieben haben, nicht besonders mag. Dieses Wort lautet „Werter“. Meine kleine Umfrage hat ergeben, dass meine Abneigung gegen die Anrede „Werter Herr …“ ein subjektives, dennoch aber verbreitetes Phänomen ist.

Könnte ich davon ausgehen, dass der Absender oder die Absenderin der E-Mail sehr alt ist, würde ich ihn oder sie vielleicht trotzdem mögen. Dann würde ich vielleicht denken, dass diese Anrede irgendwann einmal höflich war und der Autor oder die Autorin in dieser Zeit hängengeblieben ist, was ja nicht unbedingt unsympathisch sein muss.

Erstaunlicher Weise schreiben das aber auch viele Autoren der Altersgruppe um die vierzig, fast immer Männer. Dann denke ich: Entweder er will mich verarschen, worauf ich logischer Weise keine Lust habe, oder er ist Zyniker, worauf ich auch keine Lust habe. Denn Zynismus kommt im gedruckten Wort genauso schlecht an wie im persönlichen Umgang. Mein Tipp lautet: Verwende die Anrede „Werter Herr …“ (oder „Werte Frau …“) eher nicht, schon gar nicht, wenn du mir schreibst.

Halblustige Anschreiben wirken unprofessionell

Die Wissenschaft ist uneinig, ob es im Gehirn für den Humor ein Zentrum oder bestimmte Schaltkreise gibt. Ich vermute, dass für die Fähigkeit, witzig zu sein, bestimmte neurobiologische Faktoren Voraussetzung sind, in Kombination mit bestimmten sozialen Einflüssen. Anders ausgedrückt: Wenn du nicht mehr oder weniger von Natur aus witzig bist, versuche lieber nicht, es zu sein. Schon gar nicht in den Mails, in denen du Verlagen dein Manuskript anbietest.

Nachdenken ist nie vergeblich

Vor kurzem habe ich mit einem Autor eine Stunde lang über den Titel seines neuen Buches nachgedacht. Vergeblich. Er war trotzdem guter Laune. Verwundert fragte ich ihn nach dem Grund dafür. „Manchmal grübeln wir, und wenig später fliegt uns die Lösung einfach zu. Das Grübeln erhöht die Wahrscheinlichkeit so einer Eingebung. Wir haben also gerade wichtige Vorarbeit geleistet.“

Ignoriere in „Ha!“-Momenten die Enter-Taste

Du kennst bestimmt die „Ha!“-Momente beim Schreiben. Deine Figur sagt einen perfekten Satz, dir ist eine Zwischenpointe gelungen oder ein kleiner Kreis schließt sich auf befriedigende Weise. In so einem Moment drängt sich dir das Bedürfnis auf, zweimal „Enter“ zu drücken.

Voll auf Zug vom Start weg

Vor den Skirennen in Kitzbühel las ich unter der Überschrift „Voll auf Zug vom Start weg“ auf der ORF-Seite einen Beitrag, der den Rennläufer Hannes Reichelt zitierte: „Wenn du im Starthaus stehst, denkst du dir, es hilft ja nichts, du musst schauen, dass du die ersten Tore gleich voll auf Zug fährst“, so der spätere Dritte der Abfahrt.

Hemingways Geheimnis

Gestern Abend hat es noch funktioniert: Ein Satz nach dem anderen. Kein Problem. Du hattest Spaß. Doch heute setzt du dich an den Schreibtisch und nichts bewegt sich. Du findest den Zugang zu deiner eigenen Geschichte nicht mehr. Du holst dir deinen dritten Kaffee, raufst dir die Haare, grübelst. Der Schwung fehlt.

Drei Monate Selbsterfahrung als Krimi-Erfolgsrezept

Bernhard Aichner gehört seit kurzem zu den Autoren, vor denen ich Respekt habe, ohne je ein Buch von ihnen gelesen zu haben. Das liegt an der demnächst erscheinenden Kronenzeitung-Sonderausgabe Verbrechen, in der die Herausgeberin Martina Prewein Mordfälle analysiert, und die ich schon vorab lesen durfte.

Ein Hotel ist ein Hotel

Die Schulen vermitteln im Deutschunterricht traditionell auch viel Blödsinn. Dazu gehört der unbedingte Verzicht auf Wortwiederholungen. Brich mit diesem Dogma, wenn du einen professionellen Text schreiben willst.