Besonders Autoren mit hohem poetischem Innendruck neigen dazu, Inquit-Formeln zu vergewaltigen, und wenn ich sie darauf aufmerksam mache, wissen Sie meist gar nicht, was ich mit „Inquit-Formel“ meine. Inquit-Formeln sind die Worte, die in einer direkten Rede hinter dem Anführungszeichen und dem Beistrich stehen. „Wann immer ich an sie denke, blutet mein Herz“, sagte er. Die beiden Worte „sagte er“ sind die Inquit-Formel.

Autoren, die Inquit-Formeln vergewaltigen, überfrachten sie mit Informationen, die sie besser anders und jedenfalls an anderer Stelle verarbeiten sollten. „Wann immer ich an sie denke, blutet mein Herz“, offenbarte er ihr sein Innerstes. Oder „Wann immer ich an sie denke, blutet mein Herz“, wühlte er mit traurigem Gesicht in seinen alten Wunden. Derart vergewaltigte Inquit-Formeln wirken nicht nur unprofessionell, sie nehmen auch der direkten Rede ihre Kraft. Denn Inquit-Formeln sollen die direkte Rede einfassen, sie aber nicht übertrumpfen. Das ist dann so, wie wenn ein schönes Bild in einem zu opulenten Rahmen steckt.

Im Prinzip kommt jeder Text mit den beiden wunderschönen Inquit-Formeln „sagte er“ und „fragte er“ aus. Selbst „flüsterte er“ halte ich schon für übertrieben. Da fände ich besser: Er senkte seine Stimme zu einem Flüstern. „Wann immer ich an sie denke, blutet mein Herz“, sagte er. (BS)

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