Jüngst im Café Museum erzählte mir ein erfolgreicher deutscher Verleger, wie er mit einem Trick beim Autorenhonorar seine Rendite verbessert: Autoren sind es gewohnt, mit Verlegern ihren Anteil am Umsatz mit ihrem Buch zu verhandeln. Sie erzielen dabei im Schnitt zehn bis zwölf Prozent. Mit „Umsatz“ meinen üblicher Weise alle Beteiligten den Außenumsatz, das heißt jenen Umsatz, den die Buchhändler mit dem Buch erzielen. Kurz gesagt: Autoren bekommen einen Prozentsatz am Ladenpreis jedes verkauften Buches.

Dieser Verleger schrieb in den Vertrag nach der Verhandlung des Prozentsatzes allerdings nicht den Außenumsatz, sondern den Innenumsatz. Also jenen Umsatz, den der Verlag mit dem Buch erzielt. Nach Abzug der Provisionen für die Vertreter und die Auslieferung sowie die Spanne des Buchhandels macht der rund 50 Prozent des Ladenpreises aus. Kurz gesagt: Seine Autoren bekamen am Ende nur die Hälfte des Honorars, mit dem sie eigentlich rechnen hätten dürfen.

Das war ihnen vermutlich gar nicht bewusst. Sie freuten sich, wenn sie statt zehn Prozent zwölf ausverhandeln konnten, und dass es in Wirklichkeit nur sechs waren, kommentierten sie am Zahltag womöglich gar nicht, weil Autoren eine Tendenz haben, Verträge und Abrechnungen als schicksalshaft zu empfinden, zumal, wenn sie unerfahren sind.

Ich empfehle Autoren, ihre Verträge von einer Interessensgemeinschaft für Autoren, in Österreich der „IG Autoren“, prüfen zu lassen. Das geht schnell, kostet nichts und beugt derartigen Unklarheiten, sowie im Sinne des Verlages auch späteren Verschwörungstheorien der Autoren, vor.

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