(Von Bernhard Salomon, Verleger)  Für den ersten Spannungsroman eines unserer Autoren holte ich einen Literaturmanager an Bord, der schon erfolgreich Krimiautoren aufgebaut hat. Er meinte, er wolle erstmal das Buch lesen, denn er übernehme nur Aufgaben, die er auch lösen könne. „Ich muss etwas finden, bei dem ich ansetzen kann“, sagte er. „Etwas, dass das Buch besonders macht.“

Ich war etwas nervös, denn wenn ich schon bei ihm abblitzen würde, wäre das kein gutes Zeichen, und ich mochte das Buch. Also schickte ich ihm Vorschläge. Besonders spannend, und das ohne einen einzigen unnatürlichen Tod, besonders gute Sprache, besonders gut recherchierte Szene der Fitnessblogger, in dem ein Teil des Buches handelt. Er bedankte sich dafür, zeigte sich aber wenig interessiert.

Schließlich rief er mich an. „Die Sprache ist gut, aber nicht besonders“, sagte er. „Das Buch ist spannend, aber es gibt Bücher mit mehr Cliffhangern. Die Fitness-Blogger sind gut recherchiert, aber das ist zu wenig. Ich mag das Buch, aber ich weiß nicht, wo ich ansetzen soll. Ich muss noch mit dem Autor sprechen.“

„Er ist ein interessanter Typ“, sagte ich. „Er schließt gerade sein Philosophiestudium mit einer mehrere hundert Seiten starke Diplomartbeit über den Lyriker Georg Trakl ab.“

Ich merkte, dass der Literaturmanager da aufhorchte. Wenig später kam er mit dem Vorschlag, das Buch als philosophischen Thriller zu positionieren. Das passte zum Autor und zum Buch, und der Autor war einverstanden, diesen Aspekt noch deutlicher heraus zu arbeiten.

Wenn du einmal so berühmt bist, dass deine Leser dein nächstes Buch ohnedies haben wollen, ist das nicht mehr so wichtig. Aber gerade bei deinem Erstlings brauchen jene, die dich berühmt machen wollen, ein Argument. Wenn du einen Roman, zumal einen Spannungsroman entwirfst, dann frage dich also: Was ist das Besondere daran?

Eine ganz besondere Sprache, ganz besonders spannend, eine ungewöhnlich gut recherchiertes Sujet oder ein wahrer Hintergrund können so etwas Besonderes sein. Darüber hinaus kann ich dir dazu aber nicht viel sagen. Denn wäre besonders sein so einfach, wäre es nichts besonders mehr.

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