In siebzig Prozent der unverlangt eingereichten Frauenromane kommt ein schwuler Freund vor, oft ein Nachbar, zu dem die Heldin in ihren dunklen Stunden mit bereits verschmierter Schminke eilt, um dort erst so richtig loszuheulen. Es spricht ja viel dafür, eine refelexive Ebene in Form einer konkreten Figur zu etablieren, aber muss es immer der bis zum Erbrechen abgedroschene schwule Freund sein? Als mir jüngst eine Autorin einen interessanten Roman mit schwulem Freund anbot, empfahl ich ihr, ihn doch durch einen geduldig zuhörenden Nachbarn zu ersetzen, der, während sie ihm ihren Seelenschmerz offenbart, gelegentlich „Arschloch“ schreit, weil er am Tourette-Syndrom leidet. Das wäre einmal etwas anderes, sagte ich zu ihr. Sie hat es nicht gemacht. Schade, finde ich. (BS)

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