(Bernhard Salomon, Verleger) Immer wieder erinnern mich Manuskripte von Nachwuchsautoren an meine Kindheit, beziehungsweise an die Zeiten, in denen mich meine Mutter zum Kaufmann am Eck schickte, mit einer Einkaufsliste, die meist schon etwas knittrig war, wenn ich dort ankam.  ‚1 kg Brot‘, stand da dann drauf, ‚1 l Milch‘, ’10 dkg Schinken‘, et cetera. Solche Augenblicke der Nostalgie bereichern meinen Tag, trotzdem gehören Abkürzungen nicht in einen professionellen Text.

Eine Strecke sollte bei dir immer 14 Kilometer und nicht 14 km lang sein, hinter den drei Buchstaben etc. verbirgt sich die Wortkombination et cetera (aus dem Lateinischen für ‚und die übrigen‘), und was genau spricht deiner Meinung nach dagegen, ‚beziehungsweise‘ statt ‚bzw.‘ zu schreiben oder ‚und so weiter‘ statt ‚usw.‘? Derartigen Abkürzungen haftet etwas Technokratisches an, sie sind unschön, befreit von jeder Melodie und sie haben deshalb in deinen Texten nichts verloren. Es sei denn, du schreibst Rezepte für ein Kochbuch. Dann kannst du dich wie meine Mutter auf ihren Einkaufszetteln mit ’10 dkg Schinken‘ oder ‚1 El Senf‘ und so weiter austoben.

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