(Von Bernhard Salomon, Verleger) Eine Autorin bot mir einen Roman an, in dem sie, ihrer Mail zufolge, die Geschichte des Selbstmordes einer zwischen äußeren und inneren Zwängen zerrissenen Frau erzählte. Ohne einen Blick in das Manuskript zu werfen, schrieb ich ihr: „Selbstmord ist gerade in einer Zeit, in der die Menschen wegen der wachsenden Bedrängnis aus allen Richtungen Aufhellung suchen, für uns als Publikumsverlag ein eher schwieriges Thema. Ich kann Ihnen mit Ihrem Werk also nur viel Erfolg bei einem anderen Verlag wünschen.“ 

Für Publikumsverlage geht es sowohl im Bereich Sachbuch als auch in der Belletristik darum, gesellschaftliche Strömungen zu erkennen und ihnen gerecht zu werden, wobei richtige Treffer dann zugegeben oft Glück sind. 2008 zum Beispiel erschien bei uns der Roman „Nacktbadestrand“, der in expliziter Weise die sexuellen Erfahrungen einer Frau von achtzig Jahren abhandelt. Wir verkauften mehr als 600.000 Exemplare. Der Roman war gut gemacht, aber kein Meisterwerk. Eher schnell hingeschrieben traf er vielmehr genau ein gesellschaftliches Bedürfnis jener Zeit, die Enttabuisierung von Sex im Alter. In der Folge erschienen dutzende andere Werke zu diesem Thema. Würden wir „Nacktbadestrand“ heute publizieren, würden wir keine 3.000 Exempare verkaufen. Das Thema ist nicht mehr aktuell.

Wenn du ein aktuelles Thema wählst, ist das so, wie wenn ein Gärtner eine Rose an einem windstillen sonnigen Plätzchen in gute Erde setzt. Er wird sich leicht tun, sie zum Blühen zu bringen. Wenn du ein nicht aktuelles Thema wählst, ist es so, wie wenn ein Gärtner für seine Rose einen schattigen Platz auf kargem Boden wählt, wo vor allem Wind und Nässe regieren. Wenn er sehr gut ist, bringt er die Rose vielleicht dennoch zum Blühen, aber er wird sich schwer tun.

Wenn du also schon all die Arbeit, die das Schreiben eines Buches mit sich bringt, auf dich nimmst, dann wähle das Thema sorgfältig. Wobei es bei der Sache einen schwierigen Punkt gibt. Interessant sind nicht die Themen, die aktuell sind, wenn du zu schreiben beginnst. Im Gegenteil. Bei vielen kannst du davon ausgehen, dass sie in zwei bis drei Jahren, wenn dein Buch mit etwas Glück erscheint, längst durch und damit umso uninteressanter sind.

Die Kunst liegt also sowohl für Autoren als auch für Verlage darin, gesellschaftliche Strömungen zu erkennen, bevor es alle tun. Eine spannende Aufgabe, die eine intensive Beobachtung und Reflexion allen Geschehens und des eigenen Verhaltens sowie der eigenen Gedanken erfordert, die aber manchmal auch ganz einfache Lösungen parat hält. Wenn du zum Beispiel einen Krimi schreibst, dann hast du derzeit mit einem über Cyberkriminalität jedenfalls bessere Chancen als mit einem über einen Erbschaftsstreit in einer Fabrikantenfamilie.

Aber wie einen Stoff zum aktuellen Thema finden? Aufmerksames Zeitunglesen kann da schon helfen. Hier ein Artikel von orf.at, der sich als Krimistoff empfiehlt:

Nach Erpressung: Hacker verbreitet Folgen von Netflix-Serie


Ein Hacker hat am Wochenende zehn bisher noch nicht gesendete Folgen der Netflix-Serie „Orange Is the New Black“ im Internet veröffentlicht. Der US-amerikanische Streamingdienst habe eine Geldforderung des Hackers ignoriert, berichtete die „New York Times“ heute. Eine Netflix-Sprecherin verwies die Nachrichtenagentur dpa lediglich auf eine frühere Stellungnahme, in der das Unternehmen erklärt hatte: „Wir wissen von der Situation. Sie hat sich aus einem Sicherheitseinbruch bei einer Nachproduktionsfirma ergeben, der sich etliche größere Fernsehstudios bedienen. Die zuständigen Strafverfolgungsorgane sind eingeschaltet.“ Bei den gehackten Folgen handelt es sich um Teile der fünften Staffel von „Orange Is the New Black“, die dem Publikum vom 9. Juni an vorgestellt werden sollten.

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