(Von Bernhard Salomon, Verleger) Jüngst dachte ich gemeinsam mit einem Theologen über den Titel für sein Buch nach. Er machte einen Vorschlag, in dem das Wort „Gott“ vorkam. Über meinen Kommentar dazu brach er in schallendes Lachen aus. „Vergessen Sie Gott“, sagte ich. „Gott funktioniert genauso schlecht wie EU, Beziehung und Unternehmensberater.“

So witzig hatte ich es gar nicht gemeint. Als Verlag kommunizieren wir unaufhörlich mit Lesern und mit vorgelagerten Zielgruppen, vor allem mit Medien. Dabei haben wir in den vergangenen zehn Jahren Worte identifiziert, die tatsächlich nicht „funktionieren“. Die also eher abschrecken als verführen.

„Gott“ ist eines der schlimmsten. „Weltenbaumeister“, „höhere Macht“, derlei geht im Text noch halbwegs, eignet sich aber kaum als Titel. Warum das so ist, darüber ließe sich wahrscheinlich ein eigenes Buch schreiben, das mit dem Untertitel „Warum Gott in der Kommunikation nicht funktioniert“ allerdings auch niemanden interessieren würde.

„EU“ ist fast genauso schrecklich. Wenn in einem Buchtitel „EU“ vorkommt und es womöglich noch blau ist, dann ist das in neun von zehn Fällen ein sicherer Flop. Die Einkäufer in den Buchhandlungen schlagen entsetzt die Hände vors Gesicht, wenn unsere Vertreter mit sowas ankommen.

Schlimm ist auch „Unternehmensberater“. Viele Unternehmensberater sind intelligente Menschen, haben interessante Einblicke und schreiben deshalb Bücher, aber wenn ich eins auf den Tisch bekomme, schreckt mich der Beruf des Autors ab. Über die Gründe dafür ließe sich zumindest eine schöne Seite im Karriereteil der „Zeit“ schreiben, aber ehrlich: Würden Sie die lesen? Jüngst haben wir es auf einer Autorenklappe so formuliert: „Der Autor studierte an der Wirtschaftsuniversität Wien und berät vorwiegend bei Unternehmensgründungen und -sanierungen.“ Das klingt schon besser.

Alles, was mit „Beziehung“ zu tun hat, ist sowieso schrecklich. Was mich besonders wundert, weil doch alle ständig über Beziehungen reden. Andererseits klingt „Beziehung“ immer gleich nach „Beziehungskiste“, das ist meine Erklärung dafür. Ich weiß nicht, ob sie stimmt. Wenn ein Verlag ein Buch herausbringt, auf dem das Wort „Beziehung“ vorkommt, dann landet er in den Buchhandlungen in den Ecken für Beziehungsratgeber. Warum es diese Ecken gibt, weiß ich auch nicht, denn sie sind immer ganz hinten und dorthin verirrt sich kaum jemand.

Gerade bei „Gott“ ist die Gefahr groß, dann doch in die Falle zu gehen und das Un-Wort – ich bitte alle gläubigen Menschen um Verzeihung für diese aus dem Pragmatismus des Kommunikationsalltages geborene Zuschreibung – zu verwenden. Ist mir ja gerade eben selber passiert. „Gott funktioniert nicht.“ Wer liest einen Text mit so einer Überschrift? Oder hebt die Provokation den Abschreckungsfaktor auf? Funktioniert Gott noch, wenn wir auf ihn losgehen?

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