Über Vermittlung eines meiner Autoren kontaktierte mich ein pensionierter Journalist, der einen Krimi geschrieben hatte. Nach Lektüre seines Exposés bat ich ihn, mir das Manuskript zu senden, worauf er mich zum Essen einlud. „Zum Beispiel ins Bristol“, schrieb er mir. „Da ist das Essen irgendwo zwischen mittelmäßig und schlecht, also gut für die Linie, aber das Ambiente ist wahrhaft eines der besten Wiens. Ich hätte fast immer Zeit, ausgenommen am 24. Dezember. Stimmt nicht ganz, für Silvester habe ich auch schon etwas vor.“

Ich antwortete ihm: „Vielen Dank für die freundliche Einladung. Nun ist es aber so, dass ich in dem Sinn, in dem Sie das meinen, nicht esse (Ich bin Rohveganer, Anmerkung), weshalb mit mir essen zu gehen für Sie eine eher frustrierende Angelegenheit wäre. Zudem habe ich als eher unsozialer Mensch meinen Beruf auch deshalb gewählt, weil es dabei auf Socializing nicht ankommt. Ob wir einander nett finden oder ermüdend, wie wir miteinander umgehen, ist vollständig irrelevant. Es zählen einzig die Qualität Ihres Textes und die Frage, ob wir von unserer konzeptionellen Ausrichtung und unseren Fähigkeiten her der richtige Verlagspartner für Sie wären. Dies kann ich ausschließlich auf Basis der Lektüre Ihres Manuskriptes beurteilen.“

Das war wohl ziemlich gewagt, und was vorgelagerte Zielgruppen wie Medien und Buchhändler betrifft, wäre Socializing wahrscheinlich doch wichtig. Trotzdem ging mir den ganzen Tag noch dieser so wundervolle wie grausame Gedanke durch den Kopf: Nichts ist so unbestechlich wie das Medium Buch. Wenn etwas drin steht, das Menschen lesen wollen, werden sie es lesen, wenn nicht, dann nicht. (BS)

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