(Von Bernhard Salomon, Verleger) Anders als etwa in den USA bestehen in Europa unter werdenden Autoren Vorbehalte gegenüber Schreibregeln. Viele sehen sie als Korsett, das nur noch das Triviale ermöglicht und der kreativen Entfaltung eines Autors im Wege steht. Das ist Unsinn.  Denn Schreibregeln sind nichts, das irgendjemand irgendwann einmal einfach erfunden hat. Sie sind vielmehr eine Naturwissenschaft, die natürliche menschlichen Wahrnehmungs- und Reaktionsmechanismen für den Gebrauch der Sprache in schriftlicher Form nutzbar machen.

Niemand hat zum Beispiel je erfunden, dass du am Ende eines Textes zu dessen Anfang zurückkehren solltest. Es ist vielmehr so, dass deine Leser, wenn du das tust, das Gefühl haben, dass sich ein Kreis schließt und den Text danach befriedigter zur Seite legen. Dass dies eine naturwissenschaftliche Erkenntnis ist, kannst du auf spannende Weise im täglichen Leben selbst erproben.

Wenn dich jemand anstrengt, indem er sehr viel redet, das Treffen mit ihm kein Ende nehmen will und du nicht weißt, wie du der Situation entkommst, dann denke nach, was das allererste war, über das ihr bei diesem Treffen gesprochen habt. Sobald du dieses Thema wieder ansprichst, also zum Anfang zurückkehrst, wird dein Gegenüber wie durch Hypnose gesteuert von selbst zu einem Ende kommen und das Bedürfnis entwickeln, sich von dir zu verabschieden.

Allen Schreibregeln, von denen viele ja auch schon uralt sind (die Regel vom Zurückkehren zum Anfang am Ende kannten schon die Höhlenmaler),  liegen solche geheimnisvollen menschlichen Zusammenhänge zugrunde, also lerne sie und mache sie dir zunutze. Du kannst dabei nur gewinnen.

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