(Von Bernhard Salomon, Verleger) Vergangenen Dienstag traf ich in Wien einen Weltstar der klassischen Musik, der in unserem Verlag 2019 ein Sachbuch publizieren wird. Eingangs sprachen wir darüber, wie er das Buch im Marketing mit seiner Tournee und einer gleichzeitig produzierten Fernsehdoku über ihn verbinden würde. Das alles war so professionell, dass ich mich anstrengen musste, so zu tun, als wäre dieses Niveau ganz normal für mich als Verleger.

Irgendwann sagte ich, was ich in allen Autorengesprächen beim Thema Marketing sage: Es gibt Bücher mit phantastischem Marketing, die völlig floppen, und Bücher mit schlampigem Marketing, die atemberaubend erfolgreich sind. Der Unterschied, sagte ich auch zu ihm, liegt darin, ob der Autor etwas von sich gibt, etwas, das andere Menschen haben wollen.

Daraufhin trug er mir mit leicht veränderter Stimme das Kernthema seines Buches vor, und zwar so, dass ich eine Gänsehaut bekam. Genau das ist es, dachte ich die ganze Zeit. Genau das will ich haben. Genau das wollen alle haben. „Wunderbar“, sagte ich. „Wenn das ganze Buch so ist, wirst du viele Leser glücklich machen.“

„Das war nur der Kern, um den es geht, und er füllt kein Buch“, sagte er. Er dachte kurz nach. „Aber es ist bei einem Buch wohl so wie in der Musik. Es gibt ein Thema, und das ganze Stück leuchtet es in allen seinen Variationen und Facetten aus, aus den verschiedensten Perspektiven. Wahrscheinlich ließe sich das meiste auf der Welt in ein paar Tönen oder ein paar Sätzen abhandeln, aber wir Menschen brauchen das ganze Stück und das ganze Buch, um etwas nicht nur zu verstehen, sondern auch zu verinnerlichen.“

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