nachrichten aus einem Buchverlag

Was du von schlechten Werbetexten lernen kannst

Die Wirkung negativer Formulierungen („Das Gras ist nicht nass“ statt „Das Gras ist trocken“) habe ich schon einmal erläutert: Wenn du von „nicht nassem“ Gras schreibst, sehen deine Leser zwangsläufig taufeuchte Wiesen oder einen besprenkelten Rasen vor sich. Wenn du von „trockenem Gras“ schreibst, hat das eine ganz andere Wirkung.

Halt die Augen offen und mach etwas daraus!

Vergangenen Freitag wartete ich am Wiener Hohen Markt vor einem Termin auf eine Kollegin und entdeckte dabei im Eingang eines geschlossenen Ladens ein hingeworfenes Leihrad. Ich dachte: Was wäre, wenn es in einer Stadt zwei Leihradfirmen gäbe, wenn die eine die andere mit unlauteren Mitteln bekämpfen würde, zum Beispiel indem sie nachts deren Räder demolieren lässt?

Werter Herr – ich mag Sie nicht!

Manchmal bekomme ich E-Mails, deren Autoren ich schon nach dem ersten Wort, das sie nach dem Betreff geschrieben haben, nicht besonders mag. Dieses Wort lautet „Werter“. Meine kleine Umfrage hat ergeben, dass meine Abneigung gegen die Anrede „Werter Herr …“ ein subjektives, dennoch aber verbreitetes Phänomen ist.

Halblustige Anschreiben wirken unprofessionell

Die Wissenschaft ist uneinig, ob es im Gehirn für den Humor ein Zentrum oder bestimmte Schaltkreise gibt. Ich vermute, dass für die Fähigkeit, witzig zu sein, bestimmte neurobiologische Faktoren Voraussetzung sind, in Kombination mit bestimmten sozialen Einflüssen. Anders ausgedrückt: Wenn du nicht mehr oder weniger von Natur aus witzig bist, versuche lieber nicht, es zu sein. Schon gar nicht in den Mails, in denen du Verlagen dein Manuskript anbietest.

Nachdenken ist nie vergeblich

Vor kurzem habe ich mit einem Autor eine Stunde lang über den Titel seines neuen Buches nachgedacht. Vergeblich. Er war trotzdem guter Laune. Verwundert fragte ich ihn nach dem Grund dafür.

Ignoriere in „Ha!“-Momenten die Enter-Taste

Du kennst bestimmt die „Ha!“-Momente beim Schreiben. Deine Figur sagt einen perfekten Satz, dir ist eine Zwischenpointe gelungen oder ein kleiner Kreis schließt sich auf befriedigende Weise. In so einem Moment drängt sich dir das Bedürfnis auf, zweimal „Enter“ zu drücken.

Voll auf Zug vom Start weg

Vor den Skirennen in Kitzbühel las ich unter der Überschrift „Voll auf Zug vom Start weg“ auf der ORF-Seite einen Beitrag, der den Rennläufer Hannes Reichelt zitierte: „Wenn du im Starthaus stehst, denkst du dir, es hilft ja nichts, du musst schauen, dass du die ersten Tore gleich voll auf Zug fährst“, so der spätere Dritte der Abfahrt.

Hemingways Geheimnis

Gestern Abend hat es noch funktioniert: Ein Satz nach dem anderen. Kein Problem. Du hattest Spaß. Doch heute setzt du dich an den Schreibtisch und nichts bewegt sich. Du findest den Zugang zu deiner eigenen Geschichte nicht mehr. Du holst dir deinen dritten Kaffee, raufst dir die Haare, grübelst. Der Schwung fehlt.

Drei Monate Selbsterfahrung als Krimi-Erfolgsrezept

Bernhard Aichner gehört seit kurzem zu den Autoren, vor denen ich Respekt habe, ohne je ein Buch von ihnen gelesen zu haben. Das liegt an der demnächst erscheinenden Kronenzeitung-Sonderausgabe Verbrechen, in der die Herausgeberin Martina Prewein Mordfälle analysiert, und die ich schon vorab lesen durfte.