nachrichten aus einem Buchverlag

Die Weisheit eines Buchcovers

Eine der großen Aufgaben in der Anfangszeit unseres Verlages war die Gestaltung der Buchcover. In Buchhandlungen fragte ich mich damals immer, wieso die Cover anderer Bücher viel besser waren.

Entdecke deine Geschichte statt sie zu entwickeln

Dieser Tage fragte mich eine meiner Autorinnen, wie ich den Wunsch entwickelt habe, Bücher zu verlegen. Da wir gerade ein Buch über das menschliche Bewusstsein planen, mit der These, dass das Bewusstsein keinen Körper erfordert, es vielmehr umgekehrt ist, antwortete ich: „Es war nicht so, dass ich diesen Wunsch entwickelt habe. Eher hat dieser Wunsch mich entwickelt.“

Der Verlust der Worte

Vor einigen Monaten konnte ich einen erfahrenen und sprachgewaltigen Journalisten als Ghostwriter für unseren Verlag gewinnen. Einen, der nur so zum Spaß ganze Schüttelreim-Balladen schreibt. Sein enormer Schatz an Worten enthält auch welche, die gelesen schön sind, im täglichen Sprachgebrauch aber fehlen. „Dräuen“ zum Beispiel.

Du musst wissen, was du sagen willst

Als junger Mensch hatte ich Hemmungen, öffentlich aufzutreten. Lesungen zum Beispiel mied ich wenn möglich, obwohl sie mir als Autor genutzt hätten und sich mein Verlag gefreut hätte.

Damals arbeitete ich als Nachtportier in einem Wiener Hotel. Kam eine größere Gruppe von Touristen an, erklärte ich ihnen auf einem Tisch stehend alles Wichtige über Gepäck, Zimmer, Frühstück und Ausflugsmöglichkeiten. Hemmungen? Keine. Warum nicht?

Was du von schlechten Werbetexten lernen kannst

Die Wirkung negativer Formulierungen („Das Gras ist nicht nass“ statt „Das Gras ist trocken“) habe ich schon einmal erläutert: Wenn du von „nicht nassem“ Gras schreibst, sehen deine Leser zwangsläufig taufeuchte Wiesen oder einen besprenkelten Rasen vor sich. Wenn du von „trockenem Gras“ schreibst, hat das eine ganz andere Wirkung.

Halt die Augen offen und mach etwas daraus!

Vergangenen Freitag wartete ich am Wiener Hohen Markt vor einem Termin auf eine Kollegin und entdeckte dabei im Eingang eines geschlossenen Ladens ein hingeworfenes Leihrad. Ich dachte: Was wäre, wenn es in einer Stadt zwei Leihradfirmen gäbe, wenn die eine die andere mit unlauteren Mitteln bekämpfen würde, zum Beispiel indem sie nachts deren Räder demolieren lässt?

Werter Herr – ich mag Sie nicht!

Manchmal bekomme ich E-Mails, deren Autoren ich schon nach dem ersten Wort, das sie nach dem Betreff geschrieben haben, nicht besonders mag. Dieses Wort lautet „Werter“. Meine kleine Umfrage hat ergeben, dass meine Abneigung gegen die Anrede „Werter Herr …“ ein subjektives, dennoch aber verbreitetes Phänomen ist.

Halblustige Anschreiben wirken unprofessionell

Die Wissenschaft ist uneinig, ob es im Gehirn für den Humor ein Zentrum oder bestimmte Schaltkreise gibt. Ich vermute, dass für die Fähigkeit, witzig zu sein, bestimmte neurobiologische Faktoren Voraussetzung sind, in Kombination mit bestimmten sozialen Einflüssen. Anders ausgedrückt: Wenn du nicht mehr oder weniger von Natur aus witzig bist, versuche lieber nicht, es zu sein. Schon gar nicht in den Mails, in denen du Verlagen dein Manuskript anbietest.

Nachdenken ist nie vergeblich

Vor kurzem habe ich mit einem Autor eine Stunde lang über den Titel seines neuen Buches nachgedacht. Vergeblich. Er war trotzdem guter Laune. Verwundert fragte ich ihn nach dem Grund dafür.