nachrichten aus einem Buchverlag

50-50-0-Regel

Um einen guten Roman zu schreiben, sind drei Arbeitsgänge nötig. Der erste ist die Entwicklung der Geschichte und der Figuren. Der zweite ist die Recherche. Beide Arbeitsgänge sollten etwa gleichzeitig stattfinden, weil sich die Recherche auf die Geschichte und die Figuren auswirkt. Der dritte Arbeitsgang ist das Schreiben.

Zehn Jahre bis zur Meisterschaft

Es gibt sie doch, diese unverlangt eingesandten Manuskripte, bei denen alles stimmt: plastische Figuren, eine schlüssig komponierte Geschichte, eine eigene Welt, eine Sprache mit Wiedererkennungswert. Vergangenes Jahr habe ich zum ersten Mal so ein Manuskript auf den Tisch bekommen. Unser Lektorat war ebenfalls beeindruckt und empfahl nur einige Kürzungen. Ich hatte das Glück, die Autorin trotz anderer Angebote unter Vertrag nehmen zu können.

Der Sinn von Schreibpausen

Vergangenes Wochenende fragte ich eine Autorin, die vor einem halben Jahr einen Roman fertiggestellt hatte, ob ihr das Schreiben nicht fehle. „Eine Geschichte zu erzählen ist wie eine Reise zu machen“, sagte sie.

Ärzte sollten dichten lernen

Vor zehn Jahren besuchte ich eine damals gefragte Heilerin, die ihren Klienten als Draufgabe zu ihren Erkenntnissen Affirmationen in Form kleiner, selbst gereimter Gedichte mitgab. Ich litt damals an Selbstzweifeln und Schwermut, und ihr Gedicht für mich lautete: Ich fasse neuen Lebensmut und alles was ich tu´ wird gut.

Tipps für das Layout deines Manuskriptes

Ich bekam heute ein Manuskript von einem im Grunde interessanten Autor, das ich trotzdem nicht las. Ich konnte einfach nicht. Denn es zeigte alle vier Merkmale, die Autoren wie Wichtigtuer aussehen lassen.

Verzichte auf Begriffe aus dem Krieg

Er herrscht in den Manuskripten von Anfängern und Profis fast gleichermaßen, und selbst in denen von überzeugten Pazifisten oder politisch korrekten Autoren, die ihre Texte um jeden Preis gendern: der Krieg. Jemand rüstet sich für etwas, geht in die Offensive, kämpft an vorderster Front, bezieht Stellung, tut etwas im Eifer des Gefechtes oder es rollen die Köpfe.

Die geheimnisvolle Macht der kleinen Worte

Als ich vom Schreiben und publizieren noch nicht leben konnte, bat mich eine Besucherin des Jazzclubs, in dem ich damals als Kellner arbeitete, um Hilfe. „Du bist doch Autor“, sagte sie. „Ich übersiedle morgen und möchte den Besitzer des Volvo vor meiner Haustür wissen lassen, dass ich den Parkplatz brauche. Wenn er wegfährt, soll er mich anrufen. Kannst du das für mich formulieren?“

Die Dichter, die aus dem sechsten Stock springen

Wann immer ich die Verfasser belletristischer Werke auf bewährte Schreibregeln verweise und etwa ersuche, ihre Dramaturgie noch einmal auf deren Basis zu überdenken, stoße ich auf Unmut. „Ich bin nicht Autor geworden, um mich an Regeln zu halten“, lautet die Antwort sinngemäß immer.

Gedanken schießen nicht

Zu den Formulierungen, die mich während einer Manuskriptprüfung rasch auf Dilettantismus schließen lassen, gehört die mit dem schießenden Gedanken. Sie lautet zum Beispiel: Mir schoss der Gedanke durch den Kopf, dass …. Es ist erstaunlich, wie oft Gedanken in Manuskripten von Anfängern schießen.