nachrichten aus einem Buchverlag

Gebrauchsanweisung für Figuren mit roten Haaren

Im deutschsprachigen Raum machen Rothaarige zwei Prozent der Bevölkerung aus, nicht so in den literarischen Werken, die ich auf den Tisch bekomme. Ich habe nie nachgezählt, aber gefühlt liegt ihr Anteil hier bei etwa dem Zehnfachen. Autoren können nur selbst wissen, welche Haarfarbe ihre Figuren haben, doch als Schreibhilfe hier eine Gebrauchsanweisung für rothaarige Figuren.

Autoren sollten schweigen, wenn ein Lektor scheinbar irrt

Es gibt einen Satz von Autoren, den Lektoren nicht leiden können. Er lautet: „Steht doch eh drin. Haben Sie nicht Seite so und so gelesen?“ Autoren sagen diesen Satz, wenn Lektoren in ihrem Text dieses oder jenes fehlt. Eine bestimmte Charakterisierung einer Figur, eine bestimmte Motivation, ein logischer Zusammenhang oder auch nur ein bestimmtes Recherche-Detail.

Was Helden zu Helden macht

Ich ging mit einem Roman zu einem Dramaturgen und fragte ihn, was das Problem damit sei. Die Figuren waren plastisch, der Stoff war gut und mit einem Protagonisten, der ein Ziel hatte, einem Antagonisten, einem Konflikt und einer Eskalation des Konfliktes richtig komponiert, die Details waren mit Liebe recherchiert, das Thema war aktuell, die Sprache war flüssig und hatte Wiedererkennungswert und doch mühte ich mich durch die Seiten und schlief beim Lesen dauernd ein.

Der fade Hype um das E-Book

Vor vier Jahren, als die Propagandisten des E-Books das Ende des gedruckten Buches ankündigten, traf ich mich mit den Chefs des großen deutschen Buch- und E-Book-Logistikers Brocom im Wiener Café Mozart. „Was mache ich falsch?“, fragte ich sie. „Alle reden vom Boom der E-Books, während bei uns sein Anteil am Gesamtverkauf bei weniger als einem Prozent liegt.“

Das Medium Buch gewinnt an Bedeutung

Wann immer ich mit unseren Vertriebsleuten, Buchhändlern oder Druckern spreche, beklagen sie in wiederkehrenden Phrasen und Stimmlagen die rückläufigen Umsätze mit Sachbüchern. Es wird immer schwieriger, sagen sie, das Sachbuch verliert an Bedeutung, vielleicht verschwindet es ganz. Es wundert mich immer, wie sich diese Menschen, die sich ja beruflich und oft darüber hinaus mit dem Buch befassen, so irren können.

Wie Verleger beim Autorenhonorar sparen

Jüngst im Café Museum erzählte mir ein erfolgreicher deutscher Verleger, wie er mit einem Trick beim Autorenhonorar seine Rendite verbessert: Autoren sind es gewohnt, mit Verlegern ihren Anteil am Umsatz mit ihrem Buch zu verhandeln.

Verzichte auf die Formulierung „beginnt zu“

Eine der wiederkehrenden Wortkomobinationen, die unverlangt eingesandten Manuskripten wie eine lästige Hautkrankheit anhaftet, lautet „beginnt zu“. Jemand beginnt zu rennen, sich zu ärgern, ein Bild zu malen, einen Berg zu erklimmen, sich etwas zu fragen oder zu frieren.

Achtung! Pathosfalle

In fast allen Romanen spielen Haare eine Rolle. Zum Beispiel, weil eine Figur mit ihren Haaren etwas tut, sie glatt streicht etwa, oder weil ihre Haare eine bestimmte Farbe haben, kastanienbraun oder aschblond. Ich habe in zwei Romanen, die im Herbst 2016 bei uns erscheinen, nachgezählt:

Es gibt ein natürliches Bedürfnis der Menschen nach gut erzählten Geschichten, genauso wie es ein natürliches Bedürfnis der Menschen nach Nahrung, Wasser, Sonne, Wärme und Liebe gibt.