nachrichten aus einem Buchverlag

Durch die Hölle gehen

Nachdem ich letzte Woche geschrieben habe, wie Sie ein geeignetes Thema für Ihr Buch finden können, möchte ich Ihnen dieses Mal einige Schreibregeln näherbringen. Ich möchte einen kleinen Blick in das notwendige Instrumentarium werfen, über das ein Schriftsteller verfügen sollte.

Von Maximilian Hauptmann

500 Millionen Seiten Schrott

In den Foren, in denen Autoren auf der Suche nach Verlagen miteinander diskutieren, sind die Rollen klar verteilt: Autoren sind unerkannte Genies, die einer Meute arroganter Verlage gegenüber stehen. Während die Autoren strampeln, um einen Vertrag zu kriegen, wählen die Verlage selbstgerecht aus den ihnen dargebotenen Manuskripten.

Der Sinn der Ochsentour

Als ich selbst noch Romane schrieb, organisierte mein Agent einen Lese-Termin im Café der Thalia-Filiale St. Pölten für mich. Als ich anfing, war das Café halb gefüllt mit Gästen, die nicht wegen mir gekommen waren, sondern um in Ruhe Kaffee zu trinken. Nach und nach zahlten und gingen sie, bis ich nur noch eine Zuhörerin hatte. Ich war so dankbar für ihr Ausharren, dass ich ihr am Ende ein Buch schenken wollte. Doch sie schüttelte den Kopf. „Nix, nix“, sagte sie. „Ich nix deutsch.“

„Literatur ist der Friedhof der verpassten Gelegenheiten und der ungehörten Rufe.“

Milan Kundera

 

aus: „Dein Weg zum Roman

von Andreas Schuster

Was noch zu schreiben bleibt

„Literatur ist der Friedhof der verpassten Gelegenheiten und der ungehörten Rufe.“ Milan Kundera

 

Literatur zu schreiben ist ein Anspruch, den an sich selbst zu stellen nicht viele gewillt sind. Denn Literatur ist die Aufgabe, etwas zu verfassen, das einen gewissen Wert für andere Menschen besitzt. Wer möchte schon behaupten, seine Ideen oder Geschichten seien wertvoll genug, um dieses Kriterium zu erfüllen. Die meisten Menschen tun sich bereits schwer, Wörter für ihr eigenes Leben zu finden, wer hat da schon Zeit, auch noch auf fremde Sätze zu achten?

Die Sache mit den Rechtschreibfehlern

Mir waren als Journalist, Ghostwriter, Autor und Verleger Rechtschreibfehler immer ziemlich egal. Dafür gibt es eine Korrektur, dachte ich immer und denke ich noch. Gestern hörte ich Maximilian Hauptmann, den Lektor, der am Schreibtisch mir gegenüber sitzt, beim Lesen eines Manuskriptes ächzen. „Wenn du ein Buch schreibst, dann stehst du damit auf und gehst damit schlafen“, sagte er. „Wie kann es sein, dass da so viele Rechtschreibfehler drin sind? Entweder ist der so beschränkt, dann kann er kein Buch schreiben, oder es ist ihm so egal, dann kann er auch keins schreiben.“ Da hat er auch wieder recht, finde ich, ich würde es nur anders ausdrücken: Es gibt bei zulässigen Rechtschreibfehlern eine Obergrenze.

Die Schreibregeln der Tageszeitung „Heute“

Es ist beruhigend, dass auch die Chefredakteure von Tageszeitungen gegen den allgegenwärtigen sprachlichen Wildwuchs mit Regelwerken antreten. Hier jenes von Christian Nusser, Chefredakteur von „Heute“

 

Die „Heute“-Richtlinien

 Schreibung von „Heute“:

Überall (Titelseite, Titel, Fließtext etc.) einheitlich kursiv und unter Anführungszeichen: „Heute“

ABER: – Andere Print-Medien werden nur unter Anführungszeichen geschrieben:

„Kurier“, „Gazzetta dello sport“, …;
TV-Sender etc. werden ohne Anführungszeichen geschrieben: ORF, RTL, …

Die Amazon-Zahl des freien Marktes

Es hat einen Grund, weshalb Bestseller immer öfter von kleineren oder mittleren Verlagen kommen, und weniger von den großen. Das hat nicht nur damit zu tun, dass die kleinen und mittleren ihre Autoren besser betreuen und sich für jedes ihrer vergleichsweise wenigen Bücher mehr einsetzen. Es hat auch mit einer Zahl zu tun, die, laufend aktualisiert, auf der Amazon-Seite jedes Buches unter „Produktinformation“ nachzulesen ist: Der Amazon Bestseller-Rang.

Stimmen flüstern nicht

In etwa der Hälfte der Romane, die mir vorgelegt werden, stoße ich auf flüsternde, brüllende oder einfach sprechende Stimmen, schreibende Hände oder zum Beispiel gehende Beine.