nachrichten aus einem Buchverlag

Die geheimnisvolle Macht der kleinen Worte

Als ich vom Schreiben und publizieren noch nicht leben konnte, bat mich eine Besucherin des Jazzclubs, in dem ich damals als Kellner arbeitete, um Hilfe. „Du bist doch Autor“, sagte sie. „Ich übersiedle morgen und möchte den Besitzer des Volvo vor meiner Haustür wissen lassen, dass ich den Parkplatz brauche. Wenn er wegfährt, soll er mich anrufen. Kannst du das für mich formulieren?“

Die Dichter, die aus dem sechsten Stock springen

Wann immer ich die Verfasser belletristischer Werke auf bewährte Schreibregeln verweise und etwa ersuche, ihre Dramaturgie noch einmal auf deren Basis zu überdenken, stoße ich auf Unmut. „Ich bin nicht Autor geworden, um mich an Regeln zu halten“, lautet die Antwort sinngemäß immer.

Gedanken schießen nicht

Zu den Formulierungen, die mich während einer Manuskriptprüfung rasch auf Dilettantismus schließen lassen, gehört die mit dem schießenden Gedanken. Sie lautet zum Beispiel: Mir schoss der Gedanke durch den Kopf, dass …. Es ist erstaunlich, wie oft Gedanken in Manuskripten von Anfängern schießen.

Gebrauchsanweisung für Figuren mit roten Haaren

Im deutschsprachigen Raum machen Rothaarige zwei Prozent der Bevölkerung aus, nicht so in den literarischen Werken, die ich auf den Tisch bekomme. Ich habe nie nachgezählt, aber gefühlt liegt ihr Anteil hier bei etwa dem Zehnfachen. Autoren können nur selbst wissen, welche Haarfarbe ihre Figuren haben, doch als Schreibhilfe hier eine Gebrauchsanweisung für rothaarige Figuren.

Autoren sollten schweigen, wenn ein Lektor scheinbar irrt

Es gibt einen Satz von Autoren, den Lektoren nicht leiden können. Er lautet: „Steht doch eh drin. Haben Sie nicht Seite so und so gelesen?“ Autoren sagen diesen Satz, wenn Lektoren in ihrem Text dieses oder jenes fehlt. Eine bestimmte Charakterisierung einer Figur, eine bestimmte Motivation, ein logischer Zusammenhang oder auch nur ein bestimmtes Recherche-Detail.

Was Helden zu Helden macht

Ich ging mit einem Roman zu einem Dramaturgen und fragte ihn, was das Problem damit sei. Die Figuren waren plastisch, der Stoff war gut und mit einem Protagonisten, der ein Ziel hatte, einem Antagonisten, einem Konflikt und einer Eskalation des Konfliktes richtig komponiert, die Details waren mit Liebe recherchiert, das Thema war aktuell, die Sprache war flüssig und hatte Wiedererkennungswert und doch mühte ich mich durch die Seiten und schlief beim Lesen dauernd ein.

Der fade Hype um das E-Book

Vor vier Jahren, als die Propagandisten des E-Books das Ende des gedruckten Buches ankündigten, traf ich mich mit den Chefs des großen deutschen Buch- und E-Book-Logistikers Brocom im Wiener Café Mozart. „Was mache ich falsch?“, fragte ich sie. „Alle reden vom Boom der E-Books, während bei uns sein Anteil am Gesamtverkauf bei weniger als einem Prozent liegt.“

Das Medium Buch gewinnt an Bedeutung

Wann immer ich mit unseren Vertriebsleuten, Buchhändlern oder Druckern spreche, beklagen sie in wiederkehrenden Phrasen und Stimmlagen die rückläufigen Umsätze mit Sachbüchern. Es wird immer schwieriger, sagen sie, das Sachbuch verliert an Bedeutung, vielleicht verschwindet es ganz. Es wundert mich immer, wie sich diese Menschen, die sich ja beruflich und oft darüber hinaus mit dem Buch befassen, so irren können.

Wie Verleger beim Autorenhonorar sparen

Jüngst im Café Museum erzählte mir ein erfolgreicher deutscher Verleger, wie er mit einem Trick beim Autorenhonorar seine Rendite verbessert: Autoren sind es gewohnt, mit Verlegern ihren Anteil am Umsatz mit ihrem Buch zu verhandeln.