Ich ging mit einem Roman zu einem Dramaturgen und fragte ihn, was das Problem damit sei. Die Figuren waren plastisch, der Stoff war gut und mit einem Protagonisten, der ein Ziel hatte, einem Antagonisten, einem Konflikt und einer Eskalation des Konfliktes richtig komponiert, die Details waren mit Liebe recherchiert, das Thema war aktuell, die Sprache war flüssig und hatte Wiedererkennungswert und doch mühte ich mich durch die Seiten und schlief beim Lesen dauernd ein.

„So weit stimmt alles an dem Buch“, sagte der Dramaturg, „nur einen kapitalen Fehler hat es. Der Held hat ein Ziel, aber er erreicht es nicht aus eigener Kraft, sondern durch glückliche Fügungen. Weil ihm jemand hilft. Weil es der Zufall so will. Wir schätzen aber Menschen, die kämpfen und gewinnen, wir schätzen auch Menschen, die kämpfen und verlieren, aber niemand schätzt Lotto-Sieger. Ein Held ist nur ein Held, wenn er seine Ziele aus eigener Kraft erreicht.“

Ich bedankte mich bei dem Dramaturgen und nahm den Hinweis unter meinen Kriterium bei der Beurteilung bellestristischer Werke auf: Erreicht der Held sein Ziel aus eigener Kraft?

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