(Von Bernhard Salomon, Verleger)  Wenn der letzte Satz einer Buchseite der erste eines neuen Absatzes ist, nennen Layouter das ein „Hurenkind“ , wenn die erste Zeile einer Buchseite der letzte Satz eines Absatzes ist, verwenden sie dafür den Fachbegriff „Schusterjunge“. Um solche Fehler im Buchsatz zu vermeiden, ist es manchmal unumgänglich, kürzend in den Text einzugreifen. Da derlei bei einem fertig lektorierten und korrigierten Text heikel ist, mache ich das oft selbst. Schwierig ist das selten. Ich stoße fast nie auf einen Absatz, der sich nicht problemlos um ein bis zwei Zeilen verkürzen ließe. Ich nehme überflüssige Worte weg und löse Nebensätze auf. Es verstört mich dabei jedes Mal, dass der Text davon sogar besser wird.  Ich frage mich, warum die Autoren und die Lektoren so viele überflüssige Worte stehen gelassen und damit das Tempo und den Klang des Buches gedämpft haben.

Sie hatten den dafür nötigen Druck nicht, lautet die Antwort. Sie hingen zu sehr am einmal Geschriebenen, und wer in seinem Leben nie „auf Zeile“ schreiben musste, als Journalist etwa, der ständig Texte in vorgegebenen Formate unterbringen muss, sieht vielleicht auch die Möglichkeiten nicht so leicht. Für ein perfektes Buch müsste jemand am Ende des gesamten Prozesses, des Schreibens, des Lektorierens und des Korrigierens, einfach noch jeden Absatz, der mehr als sechs Zeilen hat, um eine Zeile kürzen, denke ich dann immer.

Betrachte deinen Text also nach seiner Fertigstellung mit den Augen eines Layouters. Gehe auf Distanz und fange zu kürzen an. Mach einen Sport daraus. Immer eine Zeile pro Absatz.

Vielleicht brauchst du am Anfang eine Weile, um den Dreh herauszukriegen, aber bald merkst du, wo die unnötigen Längen liegen und wie sie sich vermeiden lassen. Dieser Arbeitsdurchgang wird dir dann besonders viel Spaß machen und du wirst feststellen, dass dabei viele Absätze wie von selbst sogar um mehr als eine Zeile schrumpfen.

Als Beispiel kommt hier der gleiche Text noch einmal, in der gekürzten Version:

(Von Bernhard Salomon, Verleger) Wenn der letzte Satz einer Buchseite der erste eines neuen Absatzes ist, nennen Layouter das ein „Hurenkind“, wenn die erste Zeile einer Seite der letzte Satz eines Absatzes ist, verwenden sie dafür das Fachwort „Schusterjunge“. Um solche Fehler im Buchsatz zu vermeiden, ist ein kürzender Eingriff in den Text manchmal unvermeidlich. Da derlei bei einem lektorierten und korrigierten Text heikel ist, mache ich das oft selbst. Ich stoße fast nie auf einen Absatz, der sich nicht um ein bis zwei Zeilen kürzen ließe. Ich nehme überflüssige Worte weg und löse Nebensätze auf. Es verstört mich dabei jedes Mal, dass der Text davon sogar besser wird.  Ich frage mich, warum die Autoren und die Lektoren so viele überflüssige Worte stehen gelassen und so das Tempo und den Klang des Buches gedämpft haben.

Sie hatten den nötigen Druck nicht, lautet die Antwort. Sie hingen zu sehr am Geschriebenen, und wer in seinem Leben nie „auf Zeile“ schreiben musste, als Journalist etwa, der Texte in fixen Formate unterbringen muss, sieht auch die Möglichkeiten nicht so leicht. Für ein perfektes Buch müsste jemand am Ende des gesamten Prozesses, des Schreibens, des Lektorierens und des Korrigierens, jeden Absatz mit mehr als sechs Zeilen um eine Zeile kürzen, denke ich dann immer.

Betrachte deinen Text also nach seiner Fertigstellung mit den Augen eines Layouters. Gehe auf Distanz und fange zu kürzen an. Mach einen Sport daraus. Immer eine Zeile pro Absatz.

Vielleicht brauchst du am Anfang etwas, um den Dreh herauszukriegen, aber bald erkennst du die unnötigen Längen und wie du sie vermeiden kannst. Diese Arbeit wird dir besonders viel Spaß machen und viele Absätze werden dabei wie von selbst sogar um mehr als eine Zeile schrumpfen.

TEILEN: Share on FacebookTweet about this on TwitterGoogle+Email to someone

KOMMENTARE