In etwa der Hälfte der Romane, die mir vorgelegt werden, stoße ich auf flüsternde, brüllende oder einfach sprechende Stimmen, schreibende Hände oder zum Beispiel gehende Beine.

Am lustigsten finde ich die Stimmen. „Warte doch“, flüsterte eine Stimme hinter ihm. Als ich das gestern las, stellte ich mir einen Kehlkopf mit Augen, Nase und Mund vor, zwei Stimmbändern als Schnurrbart und zwei Flügeln, mit denen er herumfliegen kann.

Bei den schreibenden Händen ist das schon gruseliger. „Seine Hand schrieb den Satz, der ihrer beider Leben verändern würde, auf das Papier.“ Ich stellte mir einen Schreibtisch vor, an dem niemand sitzt. Knapp über der Tischplatte schwebt eine abgetrennte Hand mit einem Stift zwischen den Fingern. Irgendwo irrte ein Mann herum, der eine Hand vermisste.

Bei den Beinen ist es nicht viel besser. „Seine Beine liefen den steilen Hang hinab.“ Ich stellte mir vor, wie mir beim Bergwandern zwei Beine entgegen kommen. Das ist schon etwas gewöhnungsbedürftig.

Wenn es sich um einen Roman handelt, an dem ich mit dem Autor arbeite, schreibe ich dazu: Menschen können mit ihren Stimmen flüstern, brüllen oder sprechen, aber Stimmen selbst können das nicht. Menschen können mit ihren Händen schreiben oder mit ihren Beinen gehen, aber die Hände und die Beine selbst haben weder den Willen noch die Möglichkeit dazu.

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