(Von Bernhard Salomon, Verleger) Die ersten dreißig Seiten müssen überzeugen, heißt es. Wenn ein Buch Leser bis dahin nicht fesselt, legen sie es wieder weg. Was bedeuten würde, dass Autoren bei ihren Manuskriptangeboten vor allem auf diese ersten dreißig Seiten achten müssen. Doch das stimmt so eigentlich nicht. Ganz besonders stimmt es nicht für Autoren, die noch keiner kennt.

Es gibt nur eine Handvoll Meinungsbildner im Literaturbetrieb, sowohl bei den Agenturen und Verlagen, als auch später bei den Buchhandlungen und Medien, die überhaupt für unbekannte Autoren ansprechbar sind. Würden die jedem Manuskript, das sie auf den Tisch kriegen, dreißig Seiten lang Zeit geben, dürften sie zehn Jahre lang nichts anderes tun, als lesen, nur um die Manuskripte eines einzigen Jahres zu bewältigen.

Wenn wir diesen Meinungsbildnern Leseexemplare der bei uns erscheinenden Romane schicken, schreiben wir sinngemäß dazu: Wir würden Ihre Zeit nicht vergeuden, wüssten wir nicht ganz genau, dass die einzige Schwäche dieses Autors darin besteht, dass er noch nicht bekannt ist. Lesen sie nur die ersten drei Absätze dieses Romans, und Sie werden sehen, dass Sie nicht mehr davon loskommen.

Dreißig Seiten – diese Regel mag für bereits erfolgreiche Autoren gelten, aber im Grunde tut sie das nicht einmal für die, denn deren Werke hinterfragt niemand mehr. Für alle anderen gilt: Fessle mit den ersten drei Absätzen und dann bleib´ dran, eine andere Chance hast du nicht.

 

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