(Von Bernhard Salomon, Verleger) Bei Vertragsverhandlungen fragen mich viele Autoren, wie hoch die erste Druckauflage sein wird. Andere wollen deren Höhe sogar im Autorenvertrag festlegen. Beidem liegt ein Missverständnis zugrunde. Denn die Höhe der ersten Auflage deines Buches ist ziemlich bedeutungslos.

Verlage berechnen die Höhe der ersten Druckauflage nach mehreren Faktoren:

  • Wie viele Vormerker, also Vorbestellungen des Buchhandels liegen nach der Vertreterreise?
  • Welchen Breaking-News-Effekt hat das Buch, wie intensiv wird die Berichterstattung also gleich beim Start sein?
  • Wie bekannt ist der Autor?
  • Wie viele Exemplare hat der Autor von seinen bisherigen Büchern verkauft?

Selbst wenn bei dieser Berechnung eine Zahl herauskommt, die dir niedrig erscheint, kann dir das egal sein. Denn die modernen Druckereien, mit denen Publikumsverlage wie wir zusammenarbeiten, liefern in verblüffend kurzer Zeit. Wir haben mit allen Druckereien Vereinbarungen, denen zufolge sie binnen zehn Werktagen liefern müssen. Selbst wenn ein Buch innerhalb dieser zehn Tage ausverkauft sein sollte, ist die Nachlieferzeit so kurz, dass dir kein Nachteil daraus erwächst. Im Gegenteil. Die Verknappung des Produktes kann bekanntlich auch ein Vorteil sein.

Entscheidend ist die Höhe der Druckauflage bloß für deinen Verlag selbst, denn je mehr er druckt, desto billiger ist es. Drucken wir ein Buch mit Hardcover, Schutzumschlag und 192 Seiten Umfang, kostet das Stück bei einer Druckauflage von 500 Exemplaren 2,95 Euro. Bei 1.000 Exemplaren sind es nur noch 1,95 Euro, bei 3.000 Exemplaren 1,51 Euro, bei 5.000 Exemplaren 1,28 und bei 12.000 Exemplaren gar nur noch 1,04 Euro.

Richtig kniffelig wird die Auflagenplanung für Verlage nur, wenn ein Buch Mitte Oktober oder Ende November beziehungsweise Anfang Dezember erscheint. Denn in diesen Zeiträumen herrscht im Buchgeschäft wegen der Frankfurter Buchmesse und dem Weihnachtsgeschäft Ausnahmezustand. Die Lieferfristen der Druckereien sind dann viel länger. Bei einem Buch, das Ende November oder Anfang Dezember erscheint, hat ein Verlag meist keine Zeit mehr für Nachdrucke vor Weihnachten und muss deshalb sehr genau wissen, was er tut. Denn wenn das Buch fünf Tage vor Weihnachten aus wäre, könntest du als Autor zu Recht sauer sein.

Doch gewöhnlich gilt: Auch wenn dein Verlag noch so viele Exemplare deines Buches druckt, er verkauft deshalb um nicht ein Stück mehr. Die Höhe der Erstauflage sagt auch nichts über die Wertschätzung deines Verlages dir gegenüber aus.

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