Spätestens bei der fünften Phrase in einem Text taucht in meinem Augenwinkel immer irgendwie der Papierkorb auf. Schon deshalb, weil kaum noch jemand weiß, woher all diese Phrasen eigentlich kommen. „Einen Korb geben“, zum Beispiel.

Ulrich von Liechtenstein schrieb um 1255 über seinen Minnedienst bei einer Dame, in die er sich so verliebt hatte, dass er sogar ihr Händewaschwasser trank, und die ihn gründlich vorführte. Ihn vermeintlich erhörend, bat sie ihn, in einem brüchigen Weidenkorb Platz zu nehmen. Doch anstatt darin an ihrem Fenster anzukommen, landete er im Burggraben und die Wächter urinierten auf ihn. Was damals in so einem Fall durchaus im Rahmen der guten Sitten war.

Auch wer diese Hintergründe kennt, sollte sich um eine orignellere Formulierung bemühen. Phrasen sind so abgedroschen, dass sie im Kopf der Leser keine Bilder mehr erzeugen. (GA)

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