Als junger Mensch hatte ich Hemmungen, öffentlich aufzutreten. Lesungen zum Beispiel mied ich wenn möglich, obwohl sie mir als Autor genutzt hätten und sich mein Verlag gefreut hätte.

Damals arbeitete ich als Nachtportier in einem Wiener Hotel. Kam eine größere Gruppe von Touristen an, erklärte ich ihnen auf einem Tisch stehend alles Wichtige über Gepäck, Zimmer, Frühstück und Ausflugsmöglichkeiten. Hemmungen? Keine. Warum nicht?

Eine ähnliche Frage beschäftigte mich lange als Verleger. Manche Experten für eine bestimmte Sache entwickeln irgendwann das Bedürfnis, ein Buch darüber zu schreiben, und tun das dann ohne jegliche professionelle Schreiberfahrung oder Anleitung nach allen Regeln dieser Kunst. Wie ist das möglich?

Die Antwort ist in beiden Fällen die gleiche. Das genaue Wissen über das „Was“ verdrängt das Problem des „Wie“. Wer genau weiß, was er mitteilen will, braucht über Form meist nicht mehr zu grübeln.

Was bedeutet das für dich als Autor? Solange du bloß um des Schreibens willen schreibst, wird es immer schwierig bleiben, etwas zu erschaffen, mit dem du zufrieden sein wirst. Auch, wenn du dich noch so gut mit Schreibtechnik auskennst. Dich auf das „Was“ zu konzentrieren bedeutet: Denke deine Geschichte und deine Figuren so genau wie möglich durch, ehe du das erste Wort schreibst.

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