(Von Maximilian Hauptmann, Lektor) Oft bekomme ich Texte zugeschickt, in denen hinter jeder Zeile die Biographie ihres Autors zu erkennen ist. Die Geschichten sind dann stets zu eindimensional geschrieben. Figuren sind entweder nur gut oder nur böse und Beschreibungen fallen oft plakativ aus. Das wirkt sich auf die ganze Erzählung aus. 

Sehe ich mir dann die Lebensläufe der Autoren an, erkenne ich schnell, dass es große Ähnlichkeiten zwischen dem Protagonisten und seinem Schöpfer gibt. Oft sind beide in einem ähnlichen Alter und der Autor zeichnet seinen Protagonisten so, wie er sich selbst in seinem Lebenslauf beschreibt. Meist werden diese Parallelen von den Autoren gar nicht bemerkt. Doch wenn eine gewisse Distanz zwischen Erzähler und Erzähltem fehlt, werden Kleinigkeiten wie ein Gedanke oder äußerliche Merkmale des Protagonisten wichtiger als die Handlung. Du konzentrierst dich dann, ohne es zu wollen oder zu bemerken, an den falschen Stellen auf die falschen Dinge.

Damit du nicht in diese Falle gerätst, habe ich folgenden Tipp für dich. Versuche bei deiner nächsten Erzählung die Person zu wechseln. Nimm einen Absatz, den du in der Ich-Perspektive geschrieben hast, und schreibe ihn noch einmal, aber mit einem Protagonisten in der 3. Person Singular. Umgekehrt geht das natürlich genauso. In diesem Fall stellst du sicher, dass keine zu große Distanz zwischen dir und dem Protagonisten herrscht, und sich der Leser in ihn hineinfühlen kann.

Das ist gar nicht so einfach, aber du wirst sehen, dass du dadurch das richtige Maß an Distanz gewinnst und deine Geschichte insgesamt wichtiger wird als ihre Hauptperson.

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