Dieser Tage schrieb mir einer meiner Autoren eine lange Mail darüber, dass die Texte aus seiner Feder eigentlich nicht er geschrieben hat. „Mir fliegen manchmal Sätze zu, die sich auf eigentümliche Art von Sätzen unterscheiden, die ich mir selbst ausgedacht habe“, schrieb er. „Diese Sätze haben eine ganz andere Strahlkraft. Wenn ich solche Sätze in mein Notizbuch schreibe und später für einen Text verwende, strahlen sie auch auf die sie umgebenden Sätze ab. Auf die Art entsteht ein Text, von dem ich gar nicht weiß, woher er kommt.“

Gestern schrieb er mir, ich glaube um drei Uhr morgens, wieder eine Mail. „Merkwürdig an den Sätzen, von denen ich Ihnen erzählt habe, ist auch, dass ich sie allzuleicht vergesse. Wenn ich sie nicht sofort aufschreibe, sind sie weg. Wenn mir so ein Satz im Halbschlaf zufliegt, dann schreibe ich ihn deshalb manchmal in der Dunkelheit und ohne Brille auf ein Blatt Papier, nur so, um ihn zu retten. Denn ich habe festgestellt, dass mir umso mehr dieser Sätze zufliegen, je mehr ich aufschreibe.“

Wenige Stunden später, am Vormittag, schrieb er mir eine weitere Mail zu diesem Thema. „Ich glaube, ich habe mich verrannt. Ich überhöhe da etwas“, schrieb er. „Was ich da betreibe, ist wahrscheinlich die ganz normale Pflege der Inspirationsquellen, die jeder Autor kennt und betreibt.“ Da hat er recht.

TEILEN: Share on FacebookTweet about this on TwitterGoogle+Email to someone

KOMMENTARE