(Von Bernhard Salomon, Verleger) Die Mehrheit aller Spannungsromane, die mir Nachwuchsautoren anbieten, sind aus einer einzigen Perspektive erzählt, meist aus der eines Ermittlers. Das macht das Schreiben scheinbar einfacher, doch wenn du dich für diese Technik entscheidest, vergibst du gute Chancen, Spannung aufzubauen.

Als Beispiel eine Situation, in der deinen Helden ein Gegenspieler verfolgt, in der Absicht, ihn zu ermorden. Wenn du nur die Perspektive deines Helden zur Verfügung hast, dann wirst du das ungefähr so machen: Er bekommt, zum Beispiel in einem Warenhaus, ein unbehagliches Gefühl, sieht sich um, entdeckt einen Schatten in einem Spiegel, identifiziert den Verfolger und rennt. Das ist zwar einfach zu schreiben, aber es ist schwierig, da Spannung hinein zu kriegen.

Wenn du mehrere Perspektiven zur Verfügung hast, kannst du so vorgehen: Du erzählst aus der Perspektive des Gegenspielers, wie er deinem Helden auflauert und warum sein Schicksal davon abhängt, ihn zu töten. Du erzählst, wie er ihn beim Betreten des Kaufhauses beobachtet, wie er plant, ihn im Gedränge von hinten zu erstechen, wie er immer näher an ihn herankommt, wie er mit dem Messer ausholt. Dann wechselst du die Perspektive.

Jetzt erzählst du das gleiche Geschehen noch einmal aus Sicht deines Helden. Dein Publikum wird die nächsten Seiten mit schrecklichen Befürchtungen lesen und egal, was dein Held tut, sich Hemden ansehen, nach dem Preis eines Gürtels fragen oder nach den Tischen mit der reduzierten Ware suchen, deine Leser werden es entsetzlich spannend finden.

Dann brauchst du nur noch den Dreh, wie dein Held dem Angriff im letzten Moment entgeht. Das kannst du zum Beispiel so machen, dass er gar nicht merkt, dass er in Gefahr war. Denn so bleibt die Bedrohung im Raum stehen. Deine Leser wissen ja nicht, wann und ob es der Gegenspieler wieder versucht, weshalb jede Bewegung deines Helden von nun an etwas spannender als bisher sein wird.

Wie kriegst du das hin, dass der Gegenspieler im letzten Moment von seinem Plan ablässt? Da gibt es tausend Möglichkeiten. Du kannst zum Beispiel die Perspektive eines Kaufhausdetektivs einbauen, dem der Gegenspieler wegen seines merkwürdigen Verhaltens auffällt. Aber du bist ja Autor. Da hast du bestimmt selbst eine Idee.

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