Vor einigen Monaten konnte ich einen erfahrenen und sprachgewaltigen Journalisten als Ghostwriter für unseren Verlag gewinnen. Einen, der nur so zum Spaß ganze Schüttelreim-Balladen schreibt. Sein enormer Schatz an Worten enthält auch welche, die gelesen schön sind, im täglichen Sprachgebrauch aber fehlen. „Dräuen“ zum Beispiel.

Als er sein erstes Werk ablieferte, sah ich ein paar Nachwuchs-Lektoren und -Korrektoren dabei zu, wie sie stirnrunzelnd in seiner Sprache klaubten und Worte aussonderten, mit denen sie nichts anfangen konnten. „Dräuen“ war auch darunter.

Der Ghostwriter und ich erörterten das hinterher per E-Mail. Wir verstanden die jungen Leute, waren auf ihrer Seite und fanden es spannend, dass sich Sprache verändert, auch wenn sie sich dabei vereinfacht. Wir waren uns einig, dass „dräuen“, im Duden als „dichterisch“ geführt, auch wirklich gar nicht zeitgemäß klingt. Dass diese Nachwuchs-Lektoren und -Korrektoren das Wort noch nie gehört zu haben schienen, veranlasste den Ghostwriter dann aber doch zu einem schnellen Zweizeiler, der uns beiden aus der Seele sprach:

Lasst jene, die mit Sprache ringen,
ins Fallbeil uns’rer Rache springen!

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