(Von Bernhard Salomon, Verleger)  Vor kurzem sprach ich mit einem Literaturkritiker, der mir einen Krimi-Tipp für den Sommer gab. „Ein super Buch“, sagte er. „Ein Cliffhanger jagt den nächsten. Da vergisst du aufs Schwimmen gehen.“

Der Cliffhanger ist die simpelste Möglichkeit, Leser in Atem zu halten. Anwenden kann sie jeder Anfänger, trotzdem tun es so wenige. Warum eigentlich? Denn egal, was ein Buch sonst noch ist, mit vielen Cliffhangern ist es auf jeden Fall spannend und damit ist viel gewonnen.

Der Begriff Cliffhanger steht für den offenen Ausgang einer Episode innerhalb einer Geschichte. Ihre Auflösung erfolgt erst ein oder zwei Episoden später. So lange sind deine Leser auf die Folter gespannt, weil sie wissen wollen, was denn da nun los ist.

Ein Beispiel: Du lässt einen Polizisten in einem Dorf ermitteln, wo er nicht voran kommt. Die Bewohner des Dorfes lassen ihn freundlich lächelnd abblitzen. Er hat einige diffuse Spuren, mehr nicht. Da ruft ihn eine der Dorfbewohnerinnen an und bittet ihn um ein Gespräch. Als er ihr Haus betritt, findet er sie in Tränen aufgelöst vor.

In den Ermittlungen bahnt sich hier offenbar ein Durchbruch an. Deine Leser wissen nun, dass dein Polizist etwas wichtiges von dieser Frau erfahren wird. Wenn er in dieser Szene in ihrem Wohnzimmer Platz nimmt und sie ihm sagt, was sie zu sagen hat, verschenkst du Spannung.

Viel besser ist es, wenn du die Neugierde, die du geweckt hast, nicht gleich befriedigst. Dafür lässt du die Episode oder das Kapitel genau an dieser Stelle enden und wechselst für die nächste und vielleicht auch noch die übernächste Episode die Perspektive.

Wenn es in dem Buch nur eine Perspektive gibt, die des Polizisten, lässt du ihn in der nächsten Episode zum Beispiel im Auto zu einer anderen Ermittlung fahren. Was immer du dort beschreibst, und sei es nur die Verkehrssituation oder die Wetterlage, deine Leser werden es mit gehobener Spannung lesen.

Der Begriff Cliffhanger, der in der wörtlichen Übersetzung „Klippenhänger“ bedeutet, stammt übrigens aus einer Ära, in der Zeitschriften noch Fortsetzungsromane abdruckten. 1873 ließ der Schriftsteller Thomas Hardy eine Episode seines Fortsetzungsromans A Pair of Blue Eyes damit enden, dass sein Held sich nur noch mit einem Grasbüschel vor dem Absturz über die Klippen in den sicheren Tod retten kann. Seine Leser zitterten der nächsten Ausgabe der Zeitschrift entgegen. Diese erzählerische Finte Hardys war für das Prinzip namensgebend.

 

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