(Von Bernhard Salomon, Verleger)  Die Grenzen zwischen Fiction- und Non-Fiction-Literatur verschwimmen. Die Autoren von Sachbüchern oder Reportagen bedienen sich immer häufiger einzelner Elemente der Belletristik. Derzeit entdecken die besten von ihnen gerade den Cliffhanger für sich, eine Methode der Krimiautoren, über die ich hier  geschrieben habe.

Wie das im Sachbuch oder in einer Reportage funktioniert anhand eines von einer Fernsehdoku inspirierten Beispiels: Angenommen du schreibst über die Diskontkette Lidl. Eines der großen Geheimnisse dieses Unternehmens ist sein öffentlichkeitsscheuer Chef, doch dir ist es gelungen, ein paar exklusive Informationen über ihn zu bekommen.

Dort, wo es in deinem Text um diesen Chef geht, erzählst du zunächst ausführlich, wie öffentlichkeitsscheu er ist und wie sich das manifestiert. Dann verrätst du, dass du überraschende Informationen über ihn hast, aber noch nicht, welche Informationen das sind. Wenn du deine Leser neugierig gemacht hast, wechselst du vielmehr das Thema und schreibst einen Satz wie: „Doch vorerst zu einem anderen Thema. Der Wein, der bei Lidl in den Regalen steht, stammt fast durchwegs …“

Das ist der Cliffhanger. Die Spannung deiner Leser steigt. Sie wollen jetzt wissen, was du über den Chef herausgefunden hast, und lesen mit erhöhter Spannung weiter.

Die Doku, aus der das Beispiel stammt, hatte sogar noch einen zweiten Cliffhanger. Ihre Macher hatten eine Blindverkostung zwischen teuren Luxusprodukten und Ware aus Lidl-Regalen arrangiert. Wenn dir so etwas als Autor zu Verfügung steht, darfst du das Ergebnis nicht einfach so hinschreiben. Du musst es inszenieren. Du kannst viel mehr Spannung herausholen, wenn du den Test erstmal ankündigst, zwischen den Kapiteln das eine oder andere Zwischenergebnis verrätst und erst am Schluss das Endergebnis.

Non-Fiction zu schreiben und zu lesen war noch nie so spannend wie jetzt.

TEILEN: Share on FacebookTweet about this on TwitterGoogle+Email to someone

KOMMENTARE