Schlimm ist beim Schmerz, dass die Umwelt so unwirklich wird und dass man niemand anderem mehr helfen kann.

Die prompte, professionelle Kommunikationsbereitschaft von Herrn und Frau F.: sie erscheint als eine ständige Einmischung in andre.

(Von Bernhard Salomon, Verleger) Diese beiden Texte sind Einträge aus Peter Handkes Notizbuch, das er 1979 unter dem Titel „Das Gewicht der Welt“ veröffentlicht hat. Als ich dieses Buch mit 22 Jahren las, veränderte es meine Vorstellungen vom Schreiben. Mir wurde klar, dass es Wahrnehmungen, Erkenntnisse und Formulierungen gibt, die nicht aus dem Kopf kommen, sondern gewissermaßen von außen. Es sind Eingebungen, manchmal inspiriert von Beobachtungen. Sie fliegen uns zu und wir haben das Gefühl, dass wir sie uns selbst gar nicht im klassischen Sinn ausdenken könnten. Solche Eingebungen haben einen anderen Charakter als alles, was wir sonst schreiben, und wenn wir sie in einen Text einbauen, entwickeln sie eine gewisse Strahlkraft auf alles rund um sie.

Ich besorgte mir nach der Lektüre von Handkes Notizbuch selbst eins, und fing an, darin nichts als solche Eingebungen aufzuschreiben. Ich machte dabei zwei Entdeckungen:

Erstens. Je mehr ich auf diese Eingebungen achtete und je konsequenter ich sie aufschrieb, desto mehr davon hatte ich.

Zweitens. Diese Eingebungen sind flüchtig. Wenn ich sie nicht gleich aufschreibe, vergesse ich sie leichter als andere Dinge.

Diese Entdeckungen führten dazu, dass ich auch nachts aus dem Halbschlaf heraus die Leselampe aufdrehte, um Notizen zu machen, oder manchmal beim Radfahren am Gehsteig hielt um im Stehen zu schreiben.

Meine Sammlung an Eingebungen wuchs und schließlich entwickelte ich eine Geschichte, in die ich viele von ihnen einbauen konnte. Diese Geschichte war mein erstes Buch, das es durch die Flut der unverlangt eingesandten Manuskripte schaffte.

Vielleicht ist das Beste, das ich dir überhaupt empfehlen kann, das konsequente Festhalten deiner Eingebungen. Wenn du auf diese Art deine Inspiration pflegst, fängst du nach und nach an, unseren Kosmos wie ein Künstler wahrzunehmen. Du wirst nie das Gefühl loswerden, dass diese Eingebungen von außen kommen. Dennoch wirst du dich in ihnen früher oder später mehr erkennen als in allem anderen, was du schreibst. Also geh und kauf dir ein Notizbuch, das ist ein wunderbarer Anfang für ein neues Leben und für die Verwirklichung deiner Träume.

Hier zur Anregung noch zwei Einträge aus Handkes Notizbuch.

G. springt so oft von einem Gegenstand zum anderen, dass man schwindelig wird, und in dieser Schwindeligkeit auch unempfindlich für die Person G.

Als ob ich hier, in einem anderen Land, eine Würde hätte, die ich in Österreich nicht haben (ich bin hier nicht der Gefangene einer Umgebung) 

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