Ich arbeite derzeit mit einem wunderbaren Autor an einem Buch, in dem er autobiografisch eines der großen Themen seines Lebens abhandelt. Es geht um seine Fähigkeit, sich selbst zu mögen.Er ist blitzgescheit, witzig, voller Ideen und als Autor unerfahren, weshalb er einen natürlichen Hang zum Abschweifen hat. Wir trafen uns im Wiener Café Schwarzenberg, um das zu besprechen. „Wie viele Möglichkeiten, ein wenig abzuschweifen, habe ich?“, fragte er. Ich antwortete: „So viele, wie Marcel Hirscher hat, während eines Weltcup-Slaloms stehenzubleiben und ein wenig die Winterlandschaft zu genießen. Wenn wir mit dem Umschlag Ihres Buches eine Erwartungshaltung wecken, die Leser veranlasst, zwanzig Euro auszugeben, ist Abschweifen eigentlich Betrug.“

Dann sagte ich ihm, da er eben neu im Metier ist, auch noch diesen uralten Satz: „In einer Geschichte muss es in jedem Satz um die Geschichte gehen.“

Unzufrieden dachte er eine Weile nach, während draußen auf der Ringstraße der Verkehr vorbeizog. „Na gut, dann mache ich es anders“, sagte er schließlich. „Ich schreibe in das Buch ab und zu hinein: Und jetzt kurz zu etwas ganz anderem, das ich auch schon immer los werden wollte.“ Ich hielt das, wenn er es nicht übertrieb, für eine witzige Idee, die funktionieren konnte. Er offenbarte damit sein Wesen, womit es in seiner Geschichte im Prinzip auch mit diesen Sätzen um seine Geschichte gehen würde.

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