nachrichten aus einem Buchverlag

Vermeide Abkürzungen

(Bernhard Salomon, Verleger) Immer wieder erinnern mich Manuskripte von Nachwuchsautoren an meine Kindheit, beziehungsweise an die Zeiten, in denen mich meine Mutter zum Kaufmann am Eck schickte, mit einer Einkaufsliste, die meist schon etwas knittrig war, wenn ich dort ankam.  

Wie dein Text gut gebügelt wirkt

(Von Bernhard Salomon, Verleger) Würde ich einem intelligenten, gebildeten, sprachgewandten, interessanten und gepflegt wirkenden Gesprächspartner gegenüber sitzen, dessen Hemd ungebügelt ist, würde ich mich trotz seiner Qualitäten fragen: Wieso ist sein Hemd ungebügelt?  

Das überflüssige „ja“ und „nein“ in Dialogen

(Von Bernhard Salomon, Verleger) Wegen der bevorstehenden Geburt seiner Tochter kommt ein Arzt nach einem langen humanitären Einsatz an der türkisch-syrischen Grenze heim.  

Die technischen Möglichkeiten des Wortes „offenbar“

(Von Bernhard Salomon, Verleger) Autoren moderner Romane erzählen meist jedes Kapitel aus der Perspektive einer bestimmten Figur. Das heißt, sie sind nicht Gott, der in alle Figuren gleichzeitig blicken kann, sie können immer nur in diese eine Figur blicken. Sie kennen deshalb nur die Gedanken und Gefühle dieser einen Figur.  

Schreibregeln sind eine Naturwissenschaft

(Von Bernhard Salomon, Verleger) Anders als etwa in den USA bestehen in Europa unter werdenden Autoren Vorbehalte gegenüber Schreibregeln. Viele sehen sie als Korsett, das nur noch das Triviale ermöglicht und der kreativen Entfaltung eines Autors im Wege steht. Das ist Unsinn.  

Das Problem mit dem Frage- und dem Anführungszeichen

(Von Bernhard Salomon, Verleger)  Einer der häufigsten Satzzeichen-Fehler in Manuskripten tritt in direkten Reden auf, die mit einem Fragezeichen oder einem Rufzeichen enden.

Der Trick mit den doppelten Leerzeichen

(Von Bernhard Salomon, Verleger)  Rechtschreibfehler sind, wenn sie in ihrer Art und Häufigkeit nicht auf latenten Analphabetismus eines Autors hinweisen, kein Kriterium bei der Entscheidung für oder gegen einen Text.

Die Sache mit den Rechtschreibfehlern

Mir waren als Journalist, Ghostwriter, Autor und Verleger Rechtschreibfehler immer ziemlich egal. Dafür gibt es eine Korrektur, dachte ich immer und denke ich noch. Gestern hörte ich Maximilian Hauptmann, den Lektor, der am Schreibtisch mir gegenüber sitzt, beim Lesen eines Manuskriptes ächzen. „Wenn du ein Buch schreibst, dann stehst du damit auf und gehst damit schlafen“, sagte er. „Wie kann es sein, dass da so viele Rechtschreibfehler drin sind? Entweder ist der so beschränkt, dann kann er kein Buch schreiben, oder es ist ihm so egal, dann kann er auch keins schreiben.“ Da hat er auch wieder recht, finde ich, ich würde es nur anders ausdrücken: Es gibt bei zulässigen Rechtschreibfehlern eine Obergrenze.

Stimmen flüstern nicht

In etwa der Hälfte der Romane, die mir vorgelegt werden, stoße ich auf flüsternde, brüllende oder einfach sprechende Stimmen, schreibende Hände oder zum Beispiel gehende Beine.