nachrichten aus einem Buchverlag

Schreiben ist eine Zukunftsbranche mit Fachkräftemangel

(Von Bernhard Salomon, Verleger) Vor kurzen traf ich meinen Freund Uli Gehmacher, einen Filmproduzenten, der mit dem Teenager-Drama „Siebzehn“ eben den begehrten Max Ophüls-Preis gewonnen hatte und den die Filmwelt seither feierte, unter anderem in Cannes. Ich fragte ihn, wie sich sein Leben durch den Erfolg verändert hatte.  

Die Übung mit dem Personenwechsel

(Von Maximilian Hauptmann, Lektor) Oft bekomme ich Texte zugeschickt, in denen hinter jeder Zeile die Biographie ihres Autors zu erkennen ist. Die Geschichten sind dann stets zu eindimensional geschrieben. Figuren sind entweder nur gut oder nur böse und Beschreibungen fallen oft plakativ aus. Das wirkt sich auf die ganze Erzählung aus. 

Überlege dir lange und gut, worüber du schreibst

(Von Bernhard Salomon, Verleger) Eine Autorin bot mir einen Roman an, in dem sie, ihrer Mail zufolge, die Geschichte des Selbstmordes einer zwischen äußeren und inneren Zwängen zerrissenen Frau erzählte. Ohne einen Blick in das Manuskript zu werfen, schrieb ich ihr: „Selbstmord ist gerade in einer Zeit, in der die Menschen wegen der wachsenden Bedrängnis aus allen Richtungen Aufhellung suchen, für uns als Publikumsverlag ein eher schwieriges Thema. Ich kann Ihnen mit Ihrem Werk also nur viel Erfolg bei einem anderen Verlag wünschen.“ 

Betrachte die erste Version deines Textes immer nur als Arbeitsbasis

(Von Bernhard Salomon, Verleger) Ernest Hemingway, ich habe es schon einmal erwähnt, hat seine Romane bis zu vierzig Mal überarbeitet. Es gibt wahrscheinlich keinen professionellen Autor, für den die erste Version eines Textes viel mehr als eine Arbeitsgrundlage ist.  

Selbstverwirklichung ist eine Falle

(Von Bernhard Salomon, Verleger) Schreiben ist etwas Kreatives und Kreativität hat etwas mit Selbstverwirklichung zu tun. So hast du es vielleicht schon als Kind gelernt. Doch darin verbirgt sich eine Falle 

Mach beim Schreiben keine Sache zu deiner Sache

(Von Bernhard Salomon, Verleger)Onkel Toms Hütte veränderte die Einstellung zur Sklaverei, Dickens‘ Schilderungen von Kinderarmut führten zu Gesetzesreformen, und J.K. Rowling ließ Millionen von Jungen und Mädchen Achthundert-Seiten-Romanen entgegenfiebern.“ Der indisch-britische Schriftsteller Salman Rushdie, der das sagte, glaubt wie viele andere Menschen auch, dass Literatur die Welt verändert.  

Das 8-Stunden-Schreib-Praktikum für Anfänger

(Von Bernhard Salomon, Verleger) Ich fragte eine Praktikantin, die wir im Sinne des Sammelns von Arbeitsroutine für alle möglichen einfachen Belange einsetzten, wie es ihr bei uns gefällt. „Eh gut“, sagte sie und es klang so, wie ich „eh gut“ antworte, wenn mich jemand nach meinem Befinden fragt, während ich gerade an Halsschmerzen leide, daheim Streit habe, das Geschäft nicht läuft und die Werkstatt nicht herausfindet, was bei meinem Auto ständig scheppert. „Ich will schreiben lernen“, sagte sie, als ich sie fragte, was sie sich denn von ihrem Praktikum erwarte. 

Arbeite mit dem „Was, wirklich?“-Effekt

(Von Bernhard Salomon, Verleger) Eine Sachbuchautorin bot mir in einem Gespräch ein Buch über die Magie von Orten und ihre Wirkung auf uns Menschen an. Ich hörte leicht gelangweilt zu. Das Thema kam mir esoterisch und dabei auch noch abgegriffen vor. Dann sagte sie: „Bevor die Etrusker einen neuen Ort errichten wollten, ließen sie dort Schafe weiden. Nach wenigen Tagen schlachteten sie ein paar von ihnen und untersuchten ihre Lebern. Nur wenn die Lebern gesund waren, besiedelten sie den Ort.“

„Was, wirklich?“, sagte ich.

Recherche wirkt Wunder

(Von Bernhard Salomon, Verleger)  Wenn du eine Sache, einen Sachverhalt oder auch das Wesen eines Menschen aus der Nähe betrachtest, stellst du meistens fest, dass alles anders ist, als du dachtest. Kennst du das?