nachrichten aus einem Buchverlag

Warum dir Pseudonyme das Leben als Autor schwer machen

Ich verstehe, dass Mary Anne Evans ihre Bücher als George Eliot publizierte. Als Mann hatte sie zu ihrer Zeit (1819 bis 1880) bessere Chancen. Wenn mir Autoren Manuskripte anbieten und in Ihrer E-Mail ein Pseudonym erwähnen, schreibe ich ihnen, dass wir grundsätzlich keine Bücher machen, deren Autoren ihre wahre Identität verheimlichen wollen. Ich werfe höchstens noch einen kurzen Blick in das Angebot, um festzustellen, ob es die Mühe wert wäre, ihm oder ihr das Pseudonym auszureden.

Verschone Verlage mit Halbfertigprodukten

Wenn mich ein unverlangt eingesandtes Manuskript nervt, ärgere ich mich manchmal über mich selbst. Als Verleger lebe ich nicht nur von Menschen, die gerne lesen, sondern auch von solchen, die gerne schreiben, und sollte Manuskripten deshalb positiv gegenüber stehen. Doch oft genug merke ich bei näherer Betrachtung des Manuskriptes, was mich daran nervt. Es ist bestenfalls ein Halbfertigprodukt. Hier gilt die Regel: Ein Manuskript, das sein Autor nicht mindestens zwanzig Mal überarbeitet hat, ist keines.

Deine Geschichte weiß, wie sie geschrieben werden will

Die meisten Autoren wissen, dass ein besonderes Buch auch eine besondere Sprache hat. Viele von ihnen begehen deshalb den Fehler, ihren Büchern eine bestimmte Sprache aufzuzwingen. Was im Normalfall schief geht. Denn deine Geschichte muss diese besondere Sprache von selbst mit sich bringen. Du musst nur sprachlich sensibel genug sein um zu erkennen, welche Sprache das ist.

Nichts ist so spannend wie die Wahrheit

„Wie können wir dafür PR machen?“, lautet eine der Fragen, die sich Verlage stellen, wenn sie dein Manuskript beurteilen. Sie wollen verstehen, warum gerade dein Buch medienrelevant ist. Wenn du einen Tatsachenroman schreibst, tust du dir besonders leicht, diese Frage zu beantworten.

Entdecke Geheimnisse der deutschen Sprache

Junge Autoren träumen meist davon, vom Schreiben leben zu können. Ich wünsche keinem von ihnen, dass der Traum in Erfüllung geht. In der von Einflüssen des Lebens befreiten Abgeschiedenheit eines Schreibzimmers bringen Menschen mit wenig Lebenserfahrung höchstens Texte hervor, die nach raschelndem Papier klingen. Arbeiten zu gehen und Geld zu verdienen ist nun einmal eine naheliegende und meist intensive Art, am Leben teilzunehmen. Mir fallen oft interessante Wechselwirkungen zwischen den sogenannten Brotberufen von Autoren und ihrem literarischen Werk auf.

Nutze den Reiz, den das Neue hat

In meiner Zeit als Journalist hatten Informationen, die mir meine Quellen zuspielten, manchmal einen Beigeschmack, als wären es keine wirklichen Neuigkeiten. Meist bestätigte eine kurze Überprüfung diese Einschätzung. Journalistischer Instinkt erkennt auch, ob etwas neu oder alt ist.

Publikation alleine ist kein Ziel

Fast alle unveröffentlichten Autoren, die mir begegnen, erwarten ein Glückserlebnis, wenn sie eines Tages ihr Buch auf einem Büchertisch sehen werden. Nach sechs Romanen, die ich selbst geschrieben habe, und meinen Erfahrungen als Verleger mit Autoren kann ich sagen, dass das nicht stimmt. Dieses Glückserlebnis stellt sich nur ein, wenn du dich als Autor eines publizierten Buches mit vielen Menschen verbunden weißt. Mit Menschen, die es gelesen haben, die es lieben, und die es anderen empfehlen.

Auch für Bücher gibt es Zielgruppen

Ein Autor bot mir einen Essay an, mit dem er sich an Büchermuffel wandte und sie von den Vorzügen des Lesens überzeugen wollte. Ich schrieb ihm zurück: Ich denke zwar nicht in Zielgruppen, ein Buch für Menschen zu machen, die keine Bücher lesen, erscheint mir dann aber doch etwas schwierig.

Widerstehe den Verlockungen des Abgebens

Vor vier Jahren kam ein Mann zu mir, der sein Leben lang geglaubt hatte, sein Leben würde bald vorüber sein. Deshalb hatte er sich stets mit allem überaus beeilt. Als Folge davon hatte er gleich zwei Karrieren hintereinander gemacht, zuerst in der Wirtschaft, dann in der Politik. Jetzt, mit 70, wollte er noch eine als Autor anhängen.