nachrichten aus einem Buchverlag

Publikation alleine ist kein Ziel

Fast alle unveröffentlichten Autoren, die mir begegnen, erwarten ein Glückserlebnis, wenn sie eines Tages ihr Buch auf einem Büchertisch sehen werden. Nach sechs Romanen, die ich selbst geschrieben habe, und meinen Erfahrungen als Verleger mit Autoren kann ich sagen, dass das nicht stimmt. Dieses Glückserlebnis stellt sich nur ein, wenn du dich als Autor eines publizierten Buches mit vielen Menschen verbunden weißt. Mit Menschen, die es gelesen haben, die es lieben, und die es anderen empfehlen.

Auch für Bücher gibt es Zielgruppen

Ein Autor bot mir einen Essay an, mit dem er sich an Büchermuffel wandte und sie von den Vorzügen des Lesens überzeugen wollte. Ich schrieb ihm zurück: Ich denke zwar nicht in Zielgruppen, ein Buch für Menschen zu machen, die keine Bücher lesen, erscheint mir dann aber doch etwas schwierig.

Widerstehe den Verlockungen des Abgebens

Vor vier Jahren kam ein Mann zu mir, der sein Leben lang geglaubt hatte, sein Leben würde bald vorüber sein. Deshalb hatte er sich stets mit allem überaus beeilt. Als Folge davon hatte er gleich zwei Karrieren hintereinander gemacht, zuerst in der Wirtschaft, dann in der Politik. Jetzt, mit 70, wollte er noch eine als Autor anhängen.

Die Weisheit eines Buchcovers

Eine der großen Aufgaben in der Anfangszeit unseres Verlages war die Gestaltung der Buchcover. In Buchhandlungen fragte ich mich damals immer, wieso die Cover anderer Bücher viel besser waren.

Entdecke deine Geschichte statt sie zu entwickeln

Dieser Tage fragte mich eine meiner Autorinnen, wie ich den Wunsch entwickelt habe, Bücher zu verlegen. Da wir gerade ein Buch über das menschliche Bewusstsein planen, mit der These, dass das Bewusstsein keinen Körper erfordert, es vielmehr umgekehrt ist, antwortete ich: „Es war nicht so, dass ich diesen Wunsch entwickelt habe. Eher hat dieser Wunsch mich entwickelt.“

Der Verlust der Worte

Vor einigen Monaten konnte ich einen erfahrenen und sprachgewaltigen Journalisten als Ghostwriter für unseren Verlag gewinnen. Einen, der nur so zum Spaß ganze Schüttelreim-Balladen schreibt. Sein enormer Schatz an Worten enthält auch welche, die gelesen schön sind, im täglichen Sprachgebrauch aber fehlen. „Dräuen“ zum Beispiel.

Du musst wissen, was du sagen willst

Als junger Mensch hatte ich Hemmungen, öffentlich aufzutreten. Lesungen zum Beispiel mied ich wenn möglich, obwohl sie mir als Autor genutzt hätten und sich mein Verlag gefreut hätte.

Damals arbeitete ich als Nachtportier in einem Wiener Hotel. Kam eine größere Gruppe von Touristen an, erklärte ich ihnen auf einem Tisch stehend alles Wichtige über Gepäck, Zimmer, Frühstück und Ausflugsmöglichkeiten. Hemmungen? Keine. Warum nicht?

Was du von schlechten Werbetexten lernen kannst

Die Wirkung negativer Formulierungen („Das Gras ist nicht nass“ statt „Das Gras ist trocken“) habe ich schon einmal erläutert: Wenn du von „nicht nassem“ Gras schreibst, sehen deine Leser zwangsläufig taufeuchte Wiesen oder einen besprenkelten Rasen vor sich. Wenn du von „trockenem Gras“ schreibst, hat das eine ganz andere Wirkung.

Halt die Augen offen und mach etwas daraus!

Vergangenen Freitag wartete ich am Wiener Hohen Markt vor einem Termin auf eine Kollegin und entdeckte dabei im Eingang eines geschlossenen Ladens ein hingeworfenes Leihrad. Ich dachte: Was wäre, wenn es in einer Stadt zwei Leihradfirmen gäbe, wenn die eine die andere mit unlauteren Mitteln bekämpfen würde, zum Beispiel indem sie nachts deren Räder demolieren lässt?