Ein Autor bot mir einen Essay an, mit dem er sich an Büchermuffel wandte und sie von den Vorzügen des Lesens überzeugen wollte. Ich schrieb ihm zurück: Ich denke zwar nicht in Zielgruppen, ein Buch für Menschen zu machen, die keine Bücher lesen, erscheint mir dann aber doch etwas schwierig.

Danach wurde mir klar, dass ich zumindest bei Sachbüchern und Tatsachenromanen sehr wohl in Zielgruppen denke. Dies schon seit dem allerersten in unserem Verlag erschienenen Buch. Es war eine Anthologie von Nachwuchsautoren über ein Wiener Stundenhotel, in dem Prostituierte der Generation 70 plus arbeiteten. Wir waren selbst verblüfft über ihren Erfolg. Wir hatten unwissentlich eine ziemlich große Zielgruppe erreicht. Die der Männer, die alte Frauen sexuell attraktiv finden, dieses Bedürfnis aus Scham aber nicht ausleben.

Erst jüngst unterschieden wir bei einer Programmbesprechung zwischen der Zielgruppe, die sich für die Existenz des Bewusstseins vor unserer Geburt und nach unserem Tod interessiert, und einer, die sich für die wissenschaftlichen Aspekte der Existenz von Dämonen interessiert. Die eine besteht vor allem aus einer bildungsbürgerlichen Mittelschicht mit Bedürfnis nach Transzendenz, die andere aus der wachsenden Gruppe der Verschwörungstheoretiker mit Hang zu Dunklem. Unterschiedlicher können zwei Zielgruppen kaum sein.

Danach habe ich mich gefragt, ob auch Belletristik-Autoren in Zielgruppen denken müssen. Es gibt zweifellos eine Zielgruppe für triviale Liebes- und Ärzteromane oder etwa eine für Science-Fiction und Fantasy. Wenn das eine oder das andere richtig gut gemacht ist, verschwimmen die Grenzen auch wieder. Dann interessieren sich plötzlich so gut wie alle für ein Buch. Schließlich lasen nicht nur Fantasy-Fans Harry Potter.

Es kann jedenfalls nicht schaden, wenn du dich mit der Zielgruppe deines Buches befasst. Auch das hilft dir dabei, dein Publikum kennen und spüren zu lernen, und das ist die vielleicht wichtigste Voraussetzung für deinen Erfolg als Autor.

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