Eine Autorin schrieb mir in einer Mail, dass sie nicht wisse, ob ihr Vorhaben in unser Verlagsprogramm passe. Sie wies darauf hin, dass ihr Buch ins Englische übersetzt werde. Ich möge doch so freundlich sein, mir die Anhänge ihrer Mail anzusehen.

Ich las das am Handy in der U-Bahn. „Wovon handelt Ihr Buch?“, schrieb ich zurück.

„Sehr geehrter Herr Salomon“, antwortete sie einen Tag später. „Danke für Ihre Antwort. Ich bin jetzt aber ein wenig irritiert, weil ich eine Rohfassung des Vorwortes mitgeschickt hatte. Ist sie vielleicht nicht angekommen?“

Die tägliche Praxis bei uns im Verlag sieht so aus: 95 Prozent der Autoren versenden ihr Angebot in Massenmails, ohne sich näher damit zu befassen, ob es zu einem Verlag passt oder nicht. Würde ich so eine Mail öffnen und die Anhänge auf der Suche nach Art und Genre des Buches durchforsten, müsste ich viel Zeit allein dafür aufwenden, herauszufinden, ob es theoretisch in unser Programm passen würde und eine Prüfung Sinn hätte. Das tue ich nicht, und andere Verleger und Lektoren tun es auch nicht. In den meisten Fällen löschen sie so eine Mail einfach.

Erkläre deshalb in deinem Anschreiben in den ersten drei Sätzen, worum es sich handelt. Sachbuch, Tatsachenroman oder Belletristik? Wenn ein Sachbuch, dann welches Thema? Wenn Belletristik, dann welches Genre?

Wenn du dein Angebot dem falschen Verleger oder Lektor geschickt hast, braucht er sich damit nicht aufzuhalten. Wenn du es dem richtigen geschickt hast, freut er sich vielleicht und sieht sich dein Angebot näher an.

Deshalb solltest du in den nächsten drei Sätzen erklären, was das Besondere an deinem Buch ist (bei einem belletristischen Werk etwa Bezüge zu einer aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung) und was das besondere an dir ist (etwa dein Brotberuf, der dir Einblicke in das Thema gegeben hat, das du abhandelst).

(Bernhard Salomon)

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